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Words

Meine Lieben,

ich sollte doch immer gleich aufschreiben, wenn mir etwas durch den Kopf geht. Ich war mir völlig sicher, daß ich das, was ich jetzt in meinen Gehirnwindungen suche, mir solange gut merken kann, bis ich es dann später aufschreibe.

Und, wo ist es jetzt?

Ah, Musik im Radio, ja, das war’s.

Eine richtige Eselsbrücke, jetzt weiß ich es wieder. Wußtet ihr, daß Esel wasserscheu sind und sich oft weigern, durchs Wasser zu gehen, deshalb haben die alten Römer extra Brücken gebaut, um mit einem kleinen Umweg ans Ziel zu gelangen? Pons asinorum.

Es gibt Lieder im Leben, wie dieses eben, die kommen einfach aus dem Nichts, gehen nirgendwohin, kommen immer wieder, und man weiß nicht, warum und wieso gerade jetzt, aber meist bin ich dann glücklich, nachdenklich, sentimental und sehr zufrieden.

Am liebsten wäre ich Musiker geworden, so eine Art Rockstar; dummerweise habe ich nicht auf meine Mutter gehört und den Klavierunterricht abgebrochen, das wäre bestimmt eine gute Basis gewesen. Singen kann ich ja, und in der Regel habe ich mich auf einer Bühne immer wohlgefühlt, aber nach dieser Dummheit war das eben ein Satz mit X.

Ich habe dann nochmals einen Anlauf genommen, etwas nahe der Musik zu lernen, und wollte Tontechniker werden, aber das habe ich nicht ernsthaft genug verfolgt.

Gemälde, Bilder haben mich erst viel später interessiert, und zum Malen habe ich wirklich kein Talent. Ja, ich besuche gerne Museen, laß alles auf mich einwirken, sehr gerne schaue ich mir etwas an, bei dem mich direkt eine kleine Geschichte anspringt. In meinem Garten stehen inzwischen auch mehrere verschiedene Statuen vom Bildhauer meines Vertrauens; das ist eine große Freude für mich, weil man sich alles Mögliche vorstellen kann, und zudem finde ich, es sieht einfach gut aus.

Das einzige Talent, das ein bißchen aus mir hervorschaut, ist, daß ich ein kleines bißchen schreiben kann, formulieren, was mich bewegt, und deswegen habe ich eben nur Worte, mit denen ich euer Herz entführen kann, so wie das gerade eben in dem angesprochenen Song beschrieben wird, von dem die Überschrift stammt.

Mit Musik geht das natürlich noch viel besser, zumindest für mich, Musik ist pure Emotion! Sie trägt mich überall hin, ich bin ganz bei mir und ich genieße es, mich in ihr zu verlieren.

So war das auch für meinen besten Freund, der sich jetzt unter meinen Tränen auf die große Reise macht und im Hospiz auf seine Stunde wartet. Vor einigen Jahren haben wir unsere Freundschaft wieder intensiviert; es war wie schon immer, wie zu unseren gemeinsamen Zeiten zwischen 15 und dem Erwachsenwerden.

Ich vermisse ihn sehr!

Manchmal gibt es Meinungsunterschiede und Konflikte in Freundschaften und Familien, aber wenn jemand meint, daß er deswegen „endgültig“ den Kontakt abbrechen muß, dann versteht er noch nicht, was endgültig wirklich bedeutet.

Wirklich endgültig, wie für den Thommy und mich.

Was von außen an uns herangetragen wird, das sind nur Nebensächlichkeiten; wichtig ist nur die Freundschaft und die Liebe, die bleibt.

Wenn ihr die heutige Musik anhört, schaut bitte nicht nur auf das Video, macht die Augen zu und stellt euch vor, wie ihr die Leiter hinaufsteigt und auf den Wolken spazieren geht; die ganze Welt liegt euch zu Füßen, und ihr erkennt dann, daß alles nur in eine Richtung geht, und vielleicht spürt ihr das Einmalige, dieses Gefühl, das einen nie mehr verläßt.

Die Musik ist heute für den Thommy.

Ich wünsche euch einen erkenntnisreichen Sonntag,
paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.

Lieben Gruß aus Sevilla
Euer Eckhard/Papa/Opa und Freund

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