Meine Lieben,
ein sanfter Wind vom See, vielleicht auch vom Schiener Berg, das spielt eigentlich keine Rolle, woher er kommt, auch nicht, wohin er geht von hier. Er umstreicht mich und zieht weiter.
Nein, nicht daß er jetzt nicht mehr da wäre, aber es ist ja nie derselbe, wie das Wasser im Fluß nie dasselbe ist, wie die Flamme der Kerze nie dieselbe ist.
Ein Milan schwebt, zieht seine Kreise, ein Hund bellt irgendwo unten im Dorf, ich sitze hier und lasse mich verwöhnen. Gut ist das, hervorragend! Ich denke nach, Lieder, die ich eben hörte, haben etwas angestoßen.
Wenn ich länger darüber sinniere, stelle ich fest, zumindest für mich, daß ich schon immer irgendwie weg wollte. Vielleicht wollen wir das alle, ohne genau zu wissen, wohin, ob alleine oder zu zweit, ich weiß es nicht.
So richtig, wie ich mir das vorstellte, habe ich das nie geschafft, vielleicht schreibe ich deswegen, vielleicht ist das meine große Freiheit. Nach außen lebe ich ein angepasstes Leben, habe eine sogenannte „Karriere“ gemacht, aber innen, da war ich immer nur mit mir, in meinen Träumen ein anderer. Deswegen hatte ich auch Screensaver wie „Catch your dreams before they slip away“ auf meinem Business-Laptop.
Gefangen habe ich sie nie, manche nie wahr gemacht, und trotzdem hatte ich bis jetzt ein gutes, erfülltes Leben. Das muß ich mir immer wieder vor Augen führen, was für ein Glück mich bei der Hand nahm, so im Großen und Ganzen. Wenn es die nächsten Jahre so bleibt, bin ich sehr zufrieden, ich bin mit mir im Reinen.
Überhaupt sollten wir alle mal mehr in uns gehen, zufriedener sein, vielleicht ein wenig anspruchsloser, und wahrnehmen, daß die schönsten Stunden im Leben die sind, wenn die Zeit den Atem anhält und uns vorgaukelt, sie stehe still.
Wie leicht übersehen wir die Schönheit und die Einmaligkeit des Lebens und fokussieren uns auf Negatives.
Da gibt es Sendungen im TV mit dem Titel „Was läuft falsch im Land“, sodaß man fragt, was läuft denn gut im Land?
So wird ja nichts besser, wir konzentrieren uns zu sehr aufs Lamentieren, verschwenden damit unsere Energie, anstatt positiv voranzugehen. Ich weiß, das klingt jetzt alles standardmäßig, na und, es stimmt eben …
Ich habe mir immer vorgenommen, daß ich, wenn ich mal der Letzte in der Reihe bin, nur noch das tun und sagen werde, was ich will. Man schafft das aber nicht, zumindest ich nicht, man hat sich an diese Kompromisse gewöhnt, sie verinnerlicht, empfindet das als normal, obwohl man sich über sich selbst manchmal dabei ärgert.
Wabi-Sabi kann aber helfen.
Was das ist?
Es kommt aus dem Zen-Buddhismus und hilft, das Leben anzunehmen, wie es ist, ohne Hang zur Perfektion.
Wabi bedeutet Einfachheit, innere Ruhe … und Sabi beschreibt die Spuren, die die Zeit hinterläßt.
Ihr könnt es ja mal nachschlagen.
Ich wünsche euch einen ausgeglichenen Sonntag
und eine nicht zu hektische Woche.
Streitet nicht, haltet zusammen und paßt auf euch auf.
Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen (aus Japan).
Lieben Gruß vom See
Euer Eckhard/Papa/Opa
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