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Heimatgefühle

Meine Lieben,

vor zwei Wochen war ich bei dem erwähnten „Ehemaligen“-Treffen im Odenwald. Wie schon erzählt, es war schön, interessant und aufschlussreich.

Auf dem Rückweg nach Hause überfiel mich aus heiterem Himmel ein Gefühl, so eine Art Heimweh, nein, eher Sentimentalität. Naja, ich habe ja in dieser Gegend auch knapp 20 Jahre gelebt, nicht nur gewohnt, sondern gelebt. Das ist etwas anderes, in manchen Orten auf meiner Lebensreise habe ich nur gewohnt.

Bevor ich hinter Heppenheim auf die Autobahn A67 fuhr, bin ich noch kurz abgebogen in die Humboldtstraße. Ich wollte unbedingt das Räumliche sehen, wo sich das Persönliche dieses Treffens vor vielen, vielen Jahren abgespielt hat.

Am Ende der Straße auf der linken Seite steht das Gebäude, anscheinend hat eine Transportfirma dieses gemietet, zumindest vermittelt das große Schild auf dem Dach diesen Eindruck. Das Gelände ist ungepflegt, Gras wuchert überall, das Gebäude ist schmutzig, am Eingang, beim Pförtnerhäuschen, stehen die Tore sperrangelweit offen und das linke ist ziemlich verbogen.

Traurig.
Das hat nichts mehr mit unserer gemeinsamen Vergangenheit zu tun, die wir vor Tagen im Odenwald noch zusammen gefeiert haben. Aber vielleicht ist das auch in Ordnung.

Wir haben einfach alles mitgenommen, in unsere Erinnerungen gepackt, und haben uns an diesen beim Treffen im Odenwald erfreut. Das ist deshalb in Ordnung, daß das jetzt so aussieht, wie es aussieht. Wie es war, das tragen wir in uns, und von Jahr zu Jahr malen wir es in immer schöneren, idealisierten Farben bunter und die Vergangenheit strahlt in einem wunderbaren Licht.

Überhaupt, dieses Heimatgefühl ist trotzdem da, nicht zu diesem Gebäude, sondern irgendwie zu allem, den Straßen, den Fachwerkhäusern, der Sprache, den Menschen, ähnlich ist es für mich am Bodensee, logischerweise auch in meiner Heimatstadt, in Hofheim ein wenig, aber da kommen jetzt noch ein paar Jahre dazu, dann wird das ähnlich sein.

Da fällt mir der Spruch aus einer Serie aus den Siebzigern ein: „Irgendwo und Sowieso“ hieß die. „Irgendwann muß jeder nach Hause, ganz egal, wo das dann ist.“

Aber so egal ist das nicht, wenn ich so meinen Gefühlen nachgehe, da gehört schon einiges dazu und wir sind aufgerufen, für uns selbst diese Heimat zu suchen, zu finden und festzuhalten. Anderen, die aus Not zu uns kommen, können wir helfen, so eine Heimat für sich zu erschaffen.

Wir wollen alle wissen, wo wir letztendlich hingehören.

Ich wünsche euch einen wunderbaren, spannenden Endspielsonntag. Für alle, die jetzt in die Sommerfrische (ich liebe dieses Wort) gehen, eine erholsame, einmalige Zeit. Ich werde mir ebenso eine kleine Verschnauf-(Schreib-)Pause gönnen.

Paßt wie immer auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.

Love and Peace!

Lieben Gruß vom See


Euer Eckhard/Papa/Opa

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