Meine Lieben,
jetzt hatten wir dieses Wochenende ein Jubiläum zu feiern. 30 Jahre! So genau kann man nicht definieren, was wir eigentlich feierten: Trennung, Neuanfang, Wiedersehen? Das mit dem Wiedersehen ist vielleicht das Naheliegendste, denn für alle ist in den vergangenen 30 Jahren ja einiges passiert.
Warum feiern wir?
Irgendwann hatten mehrere ehemalige Mitstreiter die Idee, daß wir uns mal wieder in einer größeren Gruppe treffen sollten, unsere jährlichen Wiedersehensmeetings litten doch sehr unter Personalschwund. Mehr als sechs oder sieben Personen kamen zu diesen Treffen der ehemaligen Kollegen nie.
Wer diese verrückte Idee hatte?
Ich befürchte fast, das waren Herbert und ich, beide sind wir ja schon immer begeisterungsfähig und offen für Neues. Für ihn als ehemaligen Marketing/Sales Manager paßt das ja, für einen Personalmenschen wie mich ist das eher ungewöhnlich, da sollte man doch eher konservativ und etwas zurückhaltend sein, oder? Deswegen haben die im Human Resources in der Zentrale in Chicago auch immer gemeint, ich wäre durch einen Fehler ins Personalwesen geraten.
Sei es, wie es ist. Hat doch ganz gut geklappt in den letzten 40 Jahren.
Über was unterhält man sich eigentlich bei so einem Wiedersehen? Zum großen Teil natürlich über die Vergangenheit.
Es war meine dritte Stelle im Personalwesen, aber die erste mit Gesamtverantwortung, also nahm ich mir die Freiheit, unterstützt von meinem holländischen Chef, alles Mögliche auszuprobieren.
Übrigens wußte ich deswegen auch sofort, als die deutsche Fußballmannschaft ausnahmsweise mal ein Spiel gewann, wo Curacao ist, er wuchs dort nämlich auf und schwärmte mir permanent vor, wie schön es da sei. Der Curacao-Holländer machte sich übrigens einen Spaß daraus, jedem Besucher aus der Zentrale in den USA zu erklären, daß er jeden Tag in der Kantine einen Amerikaner aß, am Vormittag einen mit weißem Zuckerguß und am Nachmittag einen mit Schokoladenguß.
Wildwasser mit dem gesamten Management-Team, das Abseilen an steilen Felsvorsprüngen, anstrengende Wanderungen und viele weitere verrückte Unternehmungen hatten es mir angetan, und ich konnte meinen Chef überzeugen.
Ich erinnere mich bis heute an ein Training, bei dem der Leiter der Veterinärabteilung beinahe ertrank. Er wollte nicht nach den Fischen schauen, nein, das Boot kippte in einer Stromschnelle um, und wie man uns vorher erklärt hatte, hielten wir uns alle am Rand des Bootes fest, bis wir wieder in ruhiges Gewässer kamen. Daß eben besagter Leiter die ganze Zeit unter dem Boot im Hohlraum verzweifelt versuchte, das Boot umzudrehen, konnten wir ja nicht wissen. – Darf ich dieses dramatische Erlebnis so flapsig erzählen? Wieso nicht, er hat doch überlebt.
Der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens fuhr einen riesigen, imposanten Mercedes, dagegen war der BMW des Geschäftsführers eher ein kleiner Schlitten. Eines Tages stellte er sich mit seinem Schlachtschiff auf den aus welchen Gründen auch immer freien Parkplatz des General Managers. Die Assistentin beobachtete das, nutzte sofort ihre herausragende Stelle und zitierte ihn zum Chef, wo man ihm die Leviten las. Fix und fertig kam er danach in mein Büro, um bei mir den aufgestauten Dampf abzulassen.
Ein Projekt hatte zum Produktnamen noch den Zusatz 38. Alle fragten sich, manche bis heute, warum 38? Hier die Auflösung: Der zuständige Sales Manager wurde im Jahr der Einführung 38 Jahre alt, und das war der einzige Grund. So sieht man mal wieder, daß es für vieles im Leben ganz profane Erklärungen gibt.
Auf jeden Fall hatten wir ein wunderbares Wiedersehen, viele trugen ihren Badge mit Bild aus der damaligen Zeit, man verändert sich ja und es wäre doch peinlich, wenn …
Was uns verbindet? Eben diese kleinen gemeinsamen Erlebnisse….
(Karaoke zur 25-Jahr-Feier, ich habe, glaube ich, das hier gesungen)
…. die unser Leben ausmachen, und das ist auch nach vielen Jahren wahrscheinlich viel mehr wert als alle „Facebook-Freunde“, die wir anhäufen.
Ich wünsche euch einen wohl temperierten Sonntag.
Paßt auf euch und die anderen auf, streitet nicht
und haltet zusammen.
Lieben Gruß aus dem Odenwald
Euer Eckhard/Papa/Opa


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