Meine Lieben,
diese Woche hat die Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko begonnen. Die ersten beiden Länder sind nicht gerade als Fußball-Enthusiasten bekannt. Die sagen ja auch Soccer.
Ich kann mich erinnern, daß ich vor einem englischen Kollegen mal von Soccer gesprochen habe, der Blick, mit dem er mich ansah, war irgendwie, ich würde sagen, bemitleidenswert. Mexiko, das ist ok, die sagen bestimmt auch nicht Soccer, oder? Nein, bestimmt nicht. Waren die schon mal Weltmeister?
Das erste Mal, als ich bewußt und mit unglaublicher Begeisterung bei der WM dabei war, das war 1966. Zu diesem Ereignis wurde in der Familie der erste Fernseher angeschafft!
Das können sich meine Enkel nicht vorstellen, daß man bis zum 15. Lebensjahr kein Fernsehgerät hatte – wahrscheinlich denken sie, dann eben streamen eben auf dem Handy … Na dann, viel Spaß, das gab’s nämlich auch nicht und vieles andere mehr. Ob das immer so schlecht war, daß es das alles nicht gab? Ich weiß nicht, aber vieles, was es heute an all diesen Dingen gibt, ist meiner Ansicht nach nicht immer zum Wohle der Menschheit. Vielleicht überwiegen sogar die Nachteile.
Kam irgendetwas Interessantes im TV, dann gingen wir zur Oma ums Eck, die war früher dran als wir mit der Glotze. Und noch vor dieser Zeit kann ich mich erinnern, daß ich mit meinen Großeltern zu deren Bekannten ging, die eben noch früher dran waren. „Soweit die Füße tragen“ haben wir dort als Serie geschaut, immer samstags, selbstverständlich in Schwarz-Weiß.
Zurück zum Fußball, da ist das auch wichtig: „soweit die Füße tragen“, falls es Verlängerungen gibt oder Elfmeterschießen, am Schluß hofft man dann natürlich auf ein Happy End. 1966 war das kein glückliches Ende, sondern eine granatenmäßige Enttäuschung!
Ich sage nur: Drittes Tor!
Ein Schweizer Schiedsrichter, der sich nicht sicher war, ob der Ball jetzt in vollem Umfang hinter der Linie war (war er nicht, behaupte ich!), fragte seinen russischen Linienrichter um Rat, und der meinte, daß das ein Tor gemäß der Regeln sei. Der er muß ja Adleraugen gehabt haben! Das sind immerhin mehr als 30 Meter!
Die Engländer schoßen dann zwar noch ein Tor, aber der Schock war wahrscheinlich zu groß, um sich nochmals entsprechend aufzuraffen. Naja, so sind die Männer aus der Heimat des Fußballs wenigstens auch einmal Weltmeister geworden, wir gönnen es ihnen.
Die Begeisterung und der Enthusiasmus lassen mit den Jahren nach, es wird einem bewußter und bewußter, daß dies nur ein Spiel ist, es gibt da wirklich Wichtigeres in diesem Leben und dieses Mal, nein, auch schon die letzten Male hat das doch sehr viel mit Politik und Geld zu tun.
Schade!
An so etwas haben wir nicht gedacht, wenn wir Fußballspiele gegen die Parallelklasse auf dem Sportplatz am Davosweg organisiert haben. Manchmal konnten wir sogar einen Lehrer überzeugen, als Schiedsrichter zu fungieren. Spaß hat’s gemacht und ein Sieg war wichtiger als eine gute Note, zumindest kurzfristig.
Ob das in den heutigen Zeiten in der Schule überhaupt noch gemacht wird, ich meine, solche Gemeinschaftsunternehmungen durch Eigeninitiative? Auf jeden Fall hoffe ich für alle, die interessiert sind, für die nächsten Wochen auf eine wunderbare Fußballzeit.
Ich wünsche euch einen sportlichen Sonntag,
paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.
Lieben Gruß vom See
Euer Eckhard/Papa/Opa
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