Meine Lieben,
ihr kennt das bestimmt, daß man einfach etwas falsch versteht, der berühmte weiße N … Wumbaba oder Ähnliches. Was hatte ich mit der Mutti einen Disput!
Neben all dem Spielen, Singen und Geschichtenhören haben wir auch geturnt, im Kindergarten, und ich habe das natürlich auch zuhause als 3-Jähriger Drei-Käse-Hoch erzählt. „Turnen ist die beste Medidi!“
Alle Überzeugungskünste meiner Mutter, daß das Medizin heiße, haben nicht gefruchtet. „Die Tante Luise und die Schwester Emilie sagen: beste Medidi, das weiß ich ganz bestimmt, ganz bestimmt!“
Der Kindergarten war ums Eck, nicht länger als fünf Minuten, ja, als Kind braucht man etwas länger, es gibt so viel Interessantes unterwegs zu sehen.
Exkurs: Heute kam mir gegen halb acht, ich war unterwegs zum Brötchen holen, ein Junge entgegen, circa acht oder neun Jahre alt. Während er so vor sich hin lief, sprach der Schulranzen mit ihm, ich nehme mal an, daß da seine Mutter ein Handy reingesteckt hatte, sie sagte, er solle sich beeilen, in zwölf Minuten müsse er in der Schule sein etc. Totale Überwachung! Aber es ist ja schon ein Fortschritt, daß er alleine zur Schule ging, normalerweise wird man heutzutage gefahren.
Mein Kindergarten war im Erdgeschoß der Thomaspfarrei, der Gemeindesaal, in dem die Gottesdienste stattfanden, im ersten Stock. Der Hort war übrigens noch ein Stück weiter oben in der Straße, aber der war für Ganztagsbetreuung, heute sagt, glaube ich, niemand mehr Hort, heute heißt das Kita, also Kindertagesstätte. Überhaupt finde ich die ganze Abkürzerei schrecklich, könnte mich schon entsetzen, wenn der Reporter Quali statt Qualifikation sagt oder Schalte statt Schaltung, naja, bin wahrscheinlich altmodisch.
Kindergottesdienst war am Sonntag immer, bevor die Erwachsenen dran waren, um ihr Seelenheil zu kämpfen. Später war in diesem Saal unter der Woche auch der Konfirmandenunterricht.
Heute hat die Thomaspfarrei eine eigene Kirche und auch der Kindergarten ist jetzt, denke ich, nicht mehr in diesem Haus. Wer da wohl jetzt wohnt? Die Tante und Schwester wohl nicht mehr, die waren ja damals schon alt, zumindest für mich, die wären ja heute fast …? würde ich sagen.
Nachdem ich in den letzten Wochen eine Vielzahl von Arztbesuchen erledigt habe, alle mit mir und auch ich mit mir selbst zufrieden bin, muß ich sagen, sich bewegen bringt nicht nur Segen, sondern auch Gesundheit, und so stimmt es doch, Turnen ist die beste Medidi.
In mens sano, corpore sano – genau das hat mein Lateinlehrer vor Urzeiten gemeint: „Ihr müsst ab und zu mit eurer humanistischen Bildung angeben, auch wenn ihr sonst keine Ahnung habt“, das mach’ ich jetzt mal.
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Heute mache ich einen langsamen Tag, habe den Deutschlandfunk mit der immer ähnlichen, manchmal subjektiven, erzieherischen Berichterstattung ausgeschaltet. Meinen Lieblingssender eingeschaltet, „das Radio der von Neil Young Getöteten“, bin auf neue Musik gestoßen, ein Lied habe ich mal für euch ausgewählt.
Die Sonne scheint, der Himmel ist noch nicht ganz blau, ein verzaubertes Licht liegt über dem See.
Ja, einen langsamen Tag heute, einatmen, ausatmen, genau so!
Ich wünsche euch einen bedächtigen Sonntag.
Paßt auf euch auf, streitet nicht (das machen schon die anderen)
und haltet zusammen.
Lieben Gruß vom See
Euer Eckhard/Papa/Opa
P. S. Eine Auswahl der Sonntagsgedanken als Büchlein bekommt ihr unter ISBN 978 376 9311 006 und ISBN 978 369 5178 643.


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