Meine Lieben,
zurück aus der Pause.
Mit vollem Kopf, naja, ein bißchen habe ich auch den Bauch verwöhnt.
Mit was mein Kopf gefüllt ist? Na, mit Gedanken, Ideen, Erkenntnissen, lang Verschlossenem, aus der untersten Schublade geholt.
Ich war bei einem Seminar, nach vielen Jahren mal wieder, schon lange geplant, nie gemacht, das kennt man ja. Etwas dreht sich im Kopf und, da der Kopf rund ist, meist im Kreis und kann nicht heraus.
Aber jetzt, jetzt habe ich das gepackt, ein fünftägiges Philosophieseminar. „Vom Tun und Lassen“ war der Titel, und deswegen habe ich das mit den Sonntagsgedanken letzte Woche einfach mal gelassen. Beides geht ja nicht, an Sonntagsgedanken denken, beim Seminar zuhören, fragen, diskutieren, nachdenken, staunen, verstehen, zweifeln, anders verstehen, wieder zweifeln, fast verzweifeln, aber dann endlich kapieren, zumindest zu großen Teilen, das wäre dann einfach zu viel.
Hat mir Unglaubliches wieder eröffnet, Türen aufgestoßen, endlich ist mir das Wort „Sesam öffne dich“ wieder eingefallen und wie Ali Baba habe ich die unglaublichsten Schätze entdeckt. Man weiß ja vieles oder hat schon davon gehört, aber irgendwo hat sich das dann versteckt und man braucht jemanden, in diesem Falle zwei Anglerinnen, die einem helfen, das aus der Tiefsee wieder an die Oberfläche zu bringen.
Es ist schön, mal wieder von Aristoteles und Glückseligkeit (Eudaimonia) zu hören. Das ist griechisch: eu= gut, Daimon= Geist. Das ist ein geglücktes, erfülltes Leben. Höchste Glückseligkeit: durch gutes Verhalten, den Gebrauch der Vernunft und die Entfaltung des eigenen Potentials erreicht man das.
Hoffentlich!
Natürlich habe ich nachgeschlagen und bin dann dabei auch auf Endymion gestoßen. Das war ein schöner Hirte, in den die Mondgöttin Selene sich unsterblich verliebte, und Zeus hat ihn auf ihre Bitte in den ewigen Schlaf versetzt, um seine Schönheit und Jugend zu bewahren. So konnte sie jede Nacht von ihrem silbernen Wagen herabsteigen, um bei ihm zu sein.
Jetzt weiß ich auch endlich, wer das auf dem Bild über dem Bett meiner Eltern war. Eben dieser wunderschöne, ewige Jüngling. Ich glaube, meine Schwester hat sich das Bild unter den Nagel gerissen, sonst hätte ich mir das (wahrscheinlich zum Entsetzen meiner Gattin) aufgehängt.
Hab’s mal gegoogelt: „Schlafender Hirtenknabe“ von Franz von Lenbach.
Ein wenig haben wir auch über Reinkarnation gesprochen, da fällt mir auf, daß das eben alles seine Zeit dauert. Wenige kommen gleich in den Himmel oder wie das auch immer in der jeweiligen Religion heißt. Die meisten müssen eine ganze Weile warten, entweder als Ameise, Tiger im Zoo oder Ähnliches. Als Mensch geht das natürlich auch, man kommt zum Beispiel zurück als schlechter Schüler, das stellt sich natürlich erst zum gegebenen Zeitpunkt heraus und meist ist das ja auch mehr Faulheit, so wirklich dumm kann man ja gar nicht sein in Deutschland, es wird jetzt nicht so wahnsinnig viel verlangt, das meinen nur die Faulen.
Aber das ist ein anderes Thema, klar ist, daß wenn man sich anstrengt und das Richtige tut, klappt das nicht nur in der Schule und im Beruf, sondern auch generell im Leben.
Summa summarum muß ich sagen, es waren gute Stunden und es tut einem gut, aus der eigenen Blase herauszutreten und die Welt mal durch die Augen von anderen zu sehen.
Ich wünsche euch einen Sonntag mit Durchblick,
paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.
Lieben Gruß aus Hofheim (gleich auf der Fahrt an den See)
Euer Eckhard/Papa/Opa
P. S. Eine Auswahl der Sonntagsgedanken als Büchlein bekommt ihr unter ISBN 978 376 9311 006 und ISBN 978 369 5178 643.


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