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Hier und Jetzt

Meine Lieben,

letzten Samstag, also am 7. Februar, war es wieder mal soweit.
Nach dem Hundespaziergang am See, einem kurzen Gespräch mit einer Freundin, sitze ich am Frühstückstisch, die Sonne scheint, der Himmel blau, der Tee, heute Earl Grey, wohlschmeckend, rinnt warm durch die Kehle in den Magen, ich halte die Tasse mit beiden Händen.

Der Führer in Laos, ein ehemaliger buddhistischer Mönch, hat gemeint, man kann überall meditieren, in sich gehen, bei sich sein. Das mache ich jetzt, indem ich die Tasse mit beiden Händen halte, die Augen schließe und mich spüre.

Ich öffne meine Augen, durch die große Scheibe schaue ich auf den See und dann weiß ich, daß ich im Moment nirgendwo anders sein möchte und daß das Glück gerade bei mir hält. Solche Momente sind kostbar, viel zu selten gehen wir mit uns selbst spazieren.

Später am Schreibtisch, als ich diese Gedanken von vorhin niederschreibe, die Sonne mir ins Gesicht scheint, schlägt die tickende Uhr halb elf. Dieses Ticken ist das einzige Geräusch im Raum und wahrscheinlich auch das einzige in meiner Welt in diesem Augenblick, ich atme durch, schaue auf, nach draußen und bin unglaublich zufrieden.

Sind wir uns wirklich bewußt, in welchem Glück wir leben, was uns alles so normal vorkommt und für viele nicht so ist? Ich glaube, da müssen wir schon sehr in uns gehen, unser eigenes Ich ein wenig zurückstellen, uns nicht zu wichtig nehmen, dankbar sein für das, was es ist, für alles, was wir haben.

Kürzlich habe ich mich, bei dem „in mich gehen“, mal wieder mit Reinkarnation beschäftigt, weil man ja immer glaubt, das kann doch nicht alles gewesen sein, da kommt doch noch bestimmt etwas, wenn nicht in diesem Leben, dann vielleicht im nächsten.

So einfach ist das natürlich nicht, das kann schon verschiedene Schritte umfassen, diese Reinkarnation, und bis zur finalen Auferstehung dauert es eben auch seine Zeit. Gut, einige wenige kommen vielleicht gleich in den Himmel, aber die meisten, die nicht so anständig waren, müssen eine Weile warten, entweder als Ameise, Tiger im Zoo oder als Hund bei mir, Letzteres wäre jetzt nicht so schlecht, außer, daß ich den Kühlschrank nicht selbst aufmachen könnte.

Alternativen gibt es natürlich massenhaft, Politiker, unglückliche Zirkusclowns oder vielleicht auch als schlechter Schüler, das stellt sich natürlich erst zum gegebenen Zeitpunkt heraus und meist ist das ja auch mehr Faulheit, so wirklich dumm kann man ja gar nicht sein, in Deutschland wird jetzt nicht so wahnsinnig viel verlangt, das meinen nur die Faulen.

Auf jeden Fall muß man sich dann, egal, als was man jetzt hier ist, immer wieder von Neuem ordentlich anstrengen, daß das etwas wird mit diesem Nirvana und man endlich, wie mein Lateinlehrer meinte, mit den Göttern gemeinsam Nektar und Ambrosia genießen darf.

Was lernen wir aus all dem? Da man ja wirklich nicht weiß, wie das mit der Wiedergeburt ausgeht, ist es vielleicht besser, sich auf das Hier und Heute zu konzentrieren, sich klar zu machen, dieses Leben ist nicht die Generalprobe.

Nein, das ist’s!

Ich wünsche euch einen gegenwärtigen Sonntag.
Paßt auf euch und die anderen auf,
haltet zusammen und streitet nicht.

Lieben Gruß aus Hofheim
Euer Eckhard/Papa/Opa

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