Meine Lieben,
Advenire, ankommen, der 1. Advent dann der 2., der 3. und schlussendlich, endlich der 4..
Wie haben wir Kinder gewartet bis endlich Weihnachten war!
Die Adventszeit war ganz schön lang, auch wenn die Nachmittage mit Weihnachtsgebäck und Tee mit Rum versüßt wurden.
Für die Kinder natürlich ohne Rum!
So kommt eben einem vieles länger vor, wenn man wartet und vielleicht ist das im Leben auch so, dass man immer mehrere Anläufe braucht bis man weiß: jetzt bin ich adveniert.
Zur Vier fällt mir jetzt ein: erstens die Vier ist eine natürliche Zahl, sogar eine Quadratzahl. Und übrigens fand ich gerade Zahlen schon immer schöner als ungerade.
Warum? Keine Ahnung.
Den Vierer konnte ich als Bub auch besser multiplizieren als den Dreier und Siebener.
Wenn man die Banklehre und ein kurzes Intermezzo in der Pfalz nicht mitzählt, war ich, das wäre jetzt zweitens, in meinem Berufsleben in vier Betrieben beschäftigt.
Am Ende des Studiums in einem deutschen Unternehmen (habe dort meine Diplomarbeit geschrieben), ab meinem 30 Lebensjahr war ich plötzlich international, raus aus meiner Heimatstadt, nach München zu einem amerikanischen Unternehmen, danach zum nächsten Ami und dann über 20 Jahre wieder bei einem großen amerikanischen Konzern.
Ob ich in deutschen Firmen mit meiner Art eine Karriere gemacht hätte, weiß ich nicht. Aber in diese amerikanischen Unternehmen habe ich irgendwie gepasst und deswegen ging das da auch immer ein wenig aufwärts, wobei man das aufwärts eigentlich nicht merkt, irgendwie wächst man da hinein wie auch in das Erwachsenenalter.
Als Kind kann man sich ja auch nicht vorstellen wie der Papa oder die Mama das so alles managen, Haushalt, Geld verdienen usw.. In anderen Worten erwachsen zu sein, irgendwie kommt das dann einfach von selbst.
Drittens gibt es auch im deutschen Kasus System vier grammatische Fälle und wie wir wissen ist der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, also das Opfer ist der Genitiv, klar.
Übrigens hat sich da noch der sog. „Deppen-Apostroph“ inzwischen eingebürgert: Oma’s Haus, das wäre ein sächsischer Genitiv, den es im deutschen nicht gibt, bei uns heißt das Omas Haus.
Naja, lt. Wilhelm Busch ist Dummheit auch eine Begabung!
Viertens: die vier Elemente, Feuer , Wasser, Erde und Luft. Sie prägten jahrhundertelang die Naturwissenschaft, bis sie dann von der modernen Wissenschaft in immer kleinere Teile zerlegt wurde.
Nun heute schaut man wieder eher auf das große Ganze.
Fünftens, in der Schule war eine 4 ausreichend, so schlecht war das für mich nicht, befriedigend (eine 3) wäre zwar besser gewesen, die Entfernung zur 2 und zur 1 war weit und wenn, dann meist auf Religion und Sport begrenzt.
Die 5 konnte hoffentlich vermieden werden auf jeden Fall in der jährlichen Endabrechnung (Zeugnis), die 6 war ja dann schon Katastrophe und für jemanden wie mich kaum auszugleichen. Bei einer 5 ging das wenigstens immer noch mit einer 3, da hatte ich auch einige, Minimum natürlich eine, um die 5 auszugleichen, in dieser Zeugnis Arithmetik war ich fit.
Also mit der 4 konnte einem nichts passieren eben ausreichend, sicher.
Später im Berufsleben hat sich das alles positiv entfaltet, wahrscheinlich weil man in jungen Jahren gelernt hat mit den 4ern einige Klippen zu umschiffen.
Wie gesagt, man braucht eben immer anscheinend eine gewisse Zeit bis man, altmodisch gesagt, adveniert.
Aber irgendwann ist es dann so weit, auch der 4. Advent kommt, so bestimmt wie das Amen in der Kirche!
Ich wünsche euch einen schönen, geruhsamen 1. Advent.
Gebt auf euch acht!
Lieben Gruß vom See
Eckhard O/P


Hallo Eckhard, eigentlich wollte ich Dir das bei Deinem kürzlichen – naja, ist auch schon wieder eine Weile her – Überraschungsbesuch sagen: Deine Sonntagsgedanken sind für mich ein wöchentliches highlight. Und zwar lese ich nicht sonntags, sondern hebe diese schönen Gedanken auf, um mir im Laufe der Woche etwas Gutes zu tun.
Vielleicht speichere ich sie einmal ab, oder noch besser, drucke ich sie aus. Ich bin ja ein haptischer Typ. Und dann kann ich immer wieder genussvoll lesen und mich so verwöhnen.
Schön, dass Du Dir die Zeit jede Woche nimmst.
Gruß Karin