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Wartezeiten / Business Ideen

Meine Lieben,

am Anfang eines jeden Jahres mache ich so meine Check-up-Runden bei den verschiedenen Ärzten, die man ab einem gewissen Alter aufsucht. Interessant ist es immer wieder, verschiedene Praxisorganisationen zu bestaunen, bei manchen ist das hervorragend organisiert, bei anderen, gelinde ausgedrückt, weniger.

Kürzlich in einem Wartezimmer fand ich freundlicherweise neben Zeitschriften auch ein Bücherregal. Die überdimensionale Wartezeit sollte damit wohl besser genutzt werden.

Was da alles so steht! Shades of Grey für die Patienten, die noch etwas dazu lernen wollen, für Lyrikbegeisterte ein Gedichtband der polnischen Nobelpreisträgerin, La Chute von Camus in Französisch und, ja, man glaubt es kaum, auch mehrere Kochbücher.

Sollte es also mal länger als eine Woche dauern, ist das mit den Kochbüchern sehr angenehm, ich nehme an, dass man dann den Holzfußboden verbrennen darf, um sich etwas zu kochen. Es wäre natürlich praktisch, wenn in einem Nebenraum auch ein kleiner Supermarkt der Praxis angeschlossen wäre, dann müsste man nicht während der Warterei die Räumlichkeiten verlassen und sich dann später wieder mühevoll einreihen, das wäre doch mal was.

Mit anderen Patienten kann man Freundschaft schließen, Schachklubs gründen oder aber auch unter Umständen neue Beziehungen beginnen. Die Zuhause-Gebliebenen hätten sowieso schon eine Vermisstenanzeige oder, noch schlimmer, einen Totenschein ausstellen lassen und würden sowieso nicht mehr mit einem rechnen. Was für Möglichkeiten sich plötzlich eröffnen würden!

Mitwartende könnten als Kassierer im angeschlossenen Mini-Supermarkt ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten und Herr Schmidt, der die ganze Zeit vorne rechts saß, meinte, warum nicht ein kleines Stehcafé in der Nähe der Rezeption? Eine Espressomaschine auf dem Tresen und die Sprechstundenhilfe, die normalerweise die Krankenkassenkarte entgegen nimmt, könnte sich ein kleines Zubrot auf Mini-Job-Basis dazuverdienen.

Übrigens kommt die neue Gesetzgebung, daß man als Rentner jetzt steuerfrei 2.000 Euro monatlich verdienen kann, den meisten Patienten, die meisten von uns sind ja älter, entgegen.
Für die ein, zwei, drei Kinder können wir eine Ganztagsbetreuung einrichten, der Herr Meier, ehemaliger Rektor, organisiert das gerne für die kleine Gemeinschaft.

Probleme gibt es, wenn ein Patient, der für uns kritische Infrastruktur ist, von der Sprechstundenhilfe zum Arzt gebeten wird. So schnell und einfach ist ja nicht jeder und jede zu ersetzen! Stellen Sie sich mal vor, wir hätten nur einen Pizzabäcker oder der Barista für den Kaffee am Empfangstresen wird zum Arztgespräch gebeten. Katastrophe!

Unsere ausländischen Mitbürger, die sich links hinten versammelt haben, wollten gern auch ein paar Aufgaben übernehmen, aber die pensionierte Regierungsrätin meinte, daß das natürlich auf keinen Fall gehe, es könne doch nicht jeder arbeiten, nur weil er das will und kann. Wo kommen wir denn dahin! Es gäbe schließlich Vorschriften!

Apropos Vorschriften, in so einer kleinen Gemeinschaft muß es natürlich auch entsprechende Regelungen geben. Wer darf wann aufs Klo und, wenn es keine getrennten Toiletten gibt, dann haben wir schon wieder das nächste Problem. Wir haben jetzt einfach die Zeiten des Toilettengangs nach Geschlecht festgelegt.

Aber so einfach geht das natürlich nicht, der Herr M. behauptet plötzlich, er wäre eine Frau und deswegen jetzt dran, daraufhin meint Frau S., sie wüßte nicht genau, was sie wäre, und deswegen gilt für sie die gesamte Regelung nicht. Ich denke, wir sollten hier einen Bürgerrat der Wartegemeinschaft gründen, der sich dieser Fragen annimmt. Bis dort eine Entscheidung gefallen ist, hat sich das Problem vielleicht schon erledigt.

Kinderarbeit? Darf man in der freien Zeit die Kinder zum Einkaufen in den Nebenraum schicken? Das sind alles Fragen, die es noch zu klären gilt, ihr seht, es gibt noch einiges zu tun.

Eine Band könnten wir gründen, das wollten wir doch schon immer, oder? Vielleicht mit solcher Musik:

Ja? Was? Ich? Ach so, ich bin dran! Na prima, Ich komme!
Alles Hirngespinste……..!

Ich wünsche euch ein kreatives Wochenende.
Passt auf euch und die anderen auf, streitet nicht und haltet zusammen.

Lieben Gruß aus Hofheim
Euer Eckhard/Papa/Opa

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