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Franzosen, Kirschen und Engländer

Meine Lieben,

ich stehe im Garten an der Brüstung, schaue auf den See, esse frische Kirschen und spucke die Kerne den Hang hinunter. Darin war ich übrigens schon immer gut, im Kirschkernweitspucken. Wenn ich so zurück denke, während sich die Kirschkerne nach vorne durch die Luft bewegen und wahrscheinlich irgendeine Ameise erschrecken, die fragt sich dann warum heute Steine vom Himmel fallen, wenn ich also so zurückdenke…

Wir hatten oft Austauschschüler, also mein Bruder, er war besser in der Schule als ich, ihn konnte man eher im Ausland vorzeigen.
Obwohl ganz stimmt das nicht. Einmal wurde ich auch ausgetauscht, mit einem Engländer. Ich weiß nicht mehr genau wo es in England war – doch, jetzt fällt es mir ein – in Swindon.  
Der Ausgetauschte hieß Nick Greenland, seine kleine Schwester Penny und er hatte eine Eisenbahn auf einer Holzplatte, die unter der Decke hing. Wenn man damit spielen wollte, wir waren ja eigentlich schon zu alt dafür, mit 15 ist man ja mehr oder weniger erwachsen, aber wenn man damit spielen wollte, konnte man die Holzplatte mit Hilfe von zwei Ketten herunterlassen. 

Nicks Vater hatte übrigens nur ein Auge, das andere hatte er, nicht im Krieg, da hätte ich mich schuldig gefühlt, bei einem Arbeitsunfall zuhause verloren. Die Geschichte geht so: Er reparierte etwas in der Garage, der Schraubenzieher lag auf dem offenen Garagentor, als er das Tor zumachte rutschte der Schraubenzieher vom Tor ihm ins Auge. Gruselig!

Ich kaufte mir dort „Visions“ von Cliff Richard und auf dem Heimweg in Zeebrügge (Ich hatte fast einen Tag Aufenthalt. Der Zug fuhr erst am Abend, das Schiff kam schon morgens an.)  lernte ich ein Mädchen kennen. Wir hatten einen schönen Tag zusammen.

Ja, englisch lernte ich auch. Übrigens wurde der arme Nick als er bei uns ankam zuerst von meinem Vater zum Friseur geschickt, wie peinlich! Das wollte ich eigentlich alles nicht erzählen, also zurück zu den Kirschen. Wir alle waren hoch in den Bäumen im Garten und pflückten Kirschen, mein Bruder, sein französicher Austauschschüler und ich. Wir mußten nämlich immer, bevor wir Federball, Fußball oder Volleyball spielen durften, im Garten helfen. In diesem Falle ein Körbchen Kirschen pflücken. Der Franzose hatte das vielleicht nicht ganz richtig verstanden, er pflückte zwar, aber er aß die gleiche Menge während er im Baum saß. Das hatte den Effekt, dass er des Nachts mit Schmerzen aufwachte und einen furchtbar aufgeblähten Bauch hatte. So quasi im 5. Monat, er war wahrscheinlich eher an foi gras gewohnt als an fünf Pfund Kirschen.

An all das muss ich jetzt denken, während die Kirschkerne durch die Luft segeln und die Ameisen erschrecken.
Sollte es heute regnen könnt ihr ja ein Buch hervorholen zum Beispiel Auerhaus von Bov Bjerg. Für diesen Sonntag reicht das zwar nicht mehr, aber dann eben für einen der nächsten Sonntage.

Lieben Gruß aus Hofheim und gebt auf euch acht.

Papa/Eckhard

Ein Kommentar

  1. Herbert Assmann

    Lieber Eckhard,
    vielen Dank für Deine Gedanken- Seit einigen Wochen lese ich nun jeden Sonntag
    deinen Blog.
    Ich finde diesen Super. Wunderbar von Dir emotional geschrieben.
    Wusste gar nicht, dass in Dir ein großer Schriftsteller steckt.!!
    Alles Gute weiterhin und ich hoffe wir sehen uns dann im August im Odenwald.
    Viele Grüße Herbert

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