{"id":52797,"date":"2026-10-04T00:29:00","date_gmt":"2026-10-03T22:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52797"},"modified":"2026-10-03T20:32:30","modified_gmt":"2026-10-03T18:32:30","slug":"seelenruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2026\/10\/04\/seelenruhe\/","title":{"rendered":"Seelenruhe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">vorletztes Wochenende in Rom, letztes in Sopot. Von einer Ecke Europas in die andere. Im Norden waren die Temperaturen angenehm, die Luft frisch, so wie das am Meer eben ist. Die Ostsee d\u00fcmpelte gem\u00e4chlich vor sich hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bi\u00dfchen wie ein alter Mensch, sie ist ja auch schon ein bi\u00dfchen grau. Die M\u00f6wen schreien sie an, aber das nimmt sie ihnen nicht \u00fcbel. Gleichm\u00e4\u00dfig rollt sie Welle \u00fcber Welle an den Strand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein aufregendes Leben mag spannend sein, aber ein gleichm\u00e4\u00dfiges, so wie es die Ostsee uns im Moment vormacht, ist auch sehr, sehr angenehm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, nat\u00fcrlich, manchmal braucht man einen Ansto\u00df, um etwas zu unternehmen, einen kleinen oder manchmal einen etwas gr\u00f6\u00dferen Sturm, aber generell genie\u00dft man doch das \u201egem\u00fctliche\u201c Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Tagen der Hektik ist das wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMa\u201c, hei\u00dft das auf Japanisch. Ich habe mir ein \u201ejapanisches Orakel\u201c gekauft, per Zufallsauswahl kann ich jeden Tag einen neuen Begriff lernen, dar\u00fcber sinnieren und gleichzeitig soll das Leben,<br>so sagt man, damit auch angenehmer werden. Na, schlechter wird es jedenfalls nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMa\u201c bedeutet \u201edie Zeit dazwischen\u201c oder Leere. Diese Leere ist ab und zu notwendig. Viele meinen, das w\u00e4re nichts f\u00fcr sie, sind besch\u00e4ftigt mit Planen und Tun. Das mu\u00df aber keineswegs sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich in der Stadt alles an Sch\u00f6nem in mich aufgesogen habe, sitze ich jetzt einfach nur am Strand auf einer Bank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wind, der hier anscheinend wohnt und nie Ruhe findet, ist permanent damit besch\u00e4ftigt, den Sand in die richtige Richtung zu blasen, mit den Fahnen zu spielen, die Wellen anzuschieben, meine Haare in Unordnung zu bringen und die M\u00f6wen durch die Luft zu tragen. Er darf das alles, er wohnt ja hier, und wenn es ihm Spa\u00df macht, ist das eben seine Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich aber spiele mit meinen Zehen im Sand, strecke ihm meine Seele entgegen und bin ganz bei mir. Ja, vielleicht bl\u00e4st er mir ein paar Gedanken in den Kopf, die dort meine Tr\u00e4ume ansto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Geschichte von Lion Feuchtwanger endet damit, da\u00df jemand einen Brief, ohne den Inhalt zu kennen, unge\u00f6ffnet zerrei\u00dft. Er wollte gar nicht wissen, was darin steht. Vielleicht ist es wirklich wichtig, da\u00df man nicht immer alles wei\u00df. Schon meine Mutter hat immer gesagt: \u201eIch mu\u00df nicht alles wissen, ich mu\u00df nicht wissen, wer, wann, wie, was macht oder wo derjenige im Moment ist, ich will nicht alles wissen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist es das, was unsere Welt so kompliziert macht: Die meisten wollen mit allem immer up to date sein, alles wissen. Es gibt ja nur wenig, was wirklich wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann man ganz leicht selbst herausfinden. \u00dcberlegt mal, ob das, was euch gerade umtreibt, morgen, \u00fcbermorgen, in einem Monat, in einem Jahr noch von Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kann man dann mit Gelassenheit auf der Bank am Meer sitzen, Gedanken schweifen lassen, den Wellen und den M\u00f6wen lauschen, sich wegtr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcnsche euch einen ruhigen Sonntag.<br>Pa\u00dft auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Jackson Browne - Sky Blue and Black (Live on 2 Meter Sessions)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5ab-wifmdsI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lieben Gru\u00df vom See<br>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P. S. Eine Auswahl der Sonntagsgedanken als Taschenbuch bekommt ihr bei Amazon oder auch unter ISBN 978 376 9311 006 und ISBN 978 369 5178 643 in eurer Buchhandlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, vorletztes Wochenende in Rom, letztes in Sopot. Von einer Ecke Europas in die andere. Im Norden waren die Temperaturen angenehm, die Luft frisch, so wie das am Meer eben ist. Die Ostsee d\u00fcmpelte gem\u00e4chlich vor sich hin. Ein bi\u00dfchen wie ein alter Mensch, sie ist ja auch schon ein bi\u00dfchen grau. Die M\u00f6wen schreien sie an, aber das nimmt sie ihnen nicht \u00fcbel. Gleichm\u00e4\u00dfig rollt sie Welle \u00fcber Welle an den Strand. 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