{"id":52705,"date":"2026-02-08T00:31:00","date_gmt":"2026-02-07T23:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52705"},"modified":"2026-02-08T10:45:17","modified_gmt":"2026-02-08T09:45:17","slug":"zu-viel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2026\/02\/08\/zu-viel\/","title":{"rendered":"Zu viel"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>auf der Autobahn, R\u00fcckfahrt vom Besuch bei meinen Enkeln, dreispurig, viel Verkehr, es geht \u00fcber die Rheinbr\u00fccke, auf der rechten Fahrbahnseite kann ich \u00fcber das Gel\u00e4nder schauen, auf den Rhein, ein Schiff, beladen, f\u00e4hrt rheinabw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das sch\u00f6n, langsam durchs Wasser pfl\u00fcgen, die Motoren wimmern leise, ich sehe das Ufer rechts und links, jetzt \u00fcber mir eine Br\u00fccke. Mein Gott, wie viel Verkehr dort oben!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autobahn wird zweispurig, ich biege ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie das wohl ist, wenn man auf so einem Schiff f\u00e4hrt, vielleicht stelle ich mir das viel zu romantisch vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber abends, nachdem man angelegt hat, in der kleinen Wohnstube auf dem hinteren Deck.<br>Ja, da ist\u2019s gem\u00fctlich. Etwas spartanisch eingerichtet, aber alles, was man braucht, ist da.<br>In Wiesbaden gab es einen kleinen, man kann sagen Tante-Emma-Laden, der hatte ein Schild \u00fcber der T\u00fcr: \u201eWir haben alles, das du brauchst, und was wir nicht haben, brauchst du nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein Sammler, nicht nur von Erinnerungen, auch von Gegenst\u00e4nden, die damit verbunden sind, aber ich glaube, sie erdr\u00fccken uns manchmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum nicht auf einem Rheinschiff davon fahren, alles, was man braucht, hat man dabei und mehr gibt es einfach nicht, nichts lenkt dich ab, du kannst in dich hineinschauen, mit dir selbst spazieren gehen. Man verliert die Zeit durch das Rennen, irgendwie ist man dauernd auf der Flucht, wahrscheinlich vor sich selbst, weil man ohne alle diese Ablenkung nichts mehr mit sich anzufangen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, wir haben vielleicht zu viel, werden erschlagen vom L\u00e4rm der Dinge, die wir nicht wirklich brauchen. Diese Dinge sagen, r\u00e4um mich auf, staub mich ab, trage mich, sagt die Hose, alle Gegenst\u00e4nde verlangen etwas von uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df gar nicht, wie viele Jacketts und Hosen aus meinem fr\u00fcheren Leben bei mir noch in den Schr\u00e4nken h\u00e4ngen. Da ich \u00fcberzeugt bin, da\u00df alle Dinge eine Seele haben, ist es dann richtig, diese ehemaligen in der Isolationshaft zu halten?<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, wahrscheinlich reden sie \u00fcber vergangene Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWei\u00dft du noch, wie elegant ich auf der B\u00fchne stand?\u201c, sagt der schwarze Blazer zum braunen Zegna-Jackett links neben ihm. \u201eGib nicht so an\u201c, meint dieses, ich war wenigstens bei wichtigen Verhandlungen dabei. \u201eAlso bitte!\u201c, meinen die drei grauen Hosen, links von Herrn Zegna, \u201eohne uns w\u00fcrdet ihr ja ganz sch\u00f6n dumm dastehen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Betreten schweigen die Jacketts und versprechen, sich nur noch fl\u00fcsternd zu unterhalten, um nicht diese unversch\u00e4mten Kommentare der Hosen anh\u00f6ren zu m\u00fcssen. Im Bord \u00fcber der Kleiderstange kichern die Krawatten und. Fliegen, sie am\u00fcsieren sich gemeinsam mit den eleganten Einsteckt\u00fcchern \u00fcber diese Konversation. Der graue Anzug mit dem dezentem Fischgr\u00e4tenmuster verdreht nur leicht die nicht vorhandenen Augen und denkt sich, ich bin ja doch der Sch\u00f6nste, la\u00df die nur reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal stell\u2019 ich mir vor, einfach ein wenig kleiner zu leben, beschr\u00e4nkter, nur mit dem, was unbedingt n\u00f6tig ist. Die Liebsten ab und zu um mich, ein Anruf von einem alten Freund, nur so, der dir sagt, da\u00df er froh ist, da\u00df du immer noch da bist, du bist gl\u00fccklich, weil jemand an dich denkt.<\/p>\n\n\n\n<p>So sitze ich nun in der kleinen Wohnstube auf dem hinteren Deck, die Wellen schlagen leicht an die braune Bordwand, die Lampe schaukelt ein wenig und ihr warmes Licht ist wie ein Leuchtfeuer, das mir den Weg zeigt, meine Welt ist ganz friedlich, egal, was auch immer da drau\u00dfen an Schrecklichem passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen friedvollen Sonntag,<br>streitet nicht (das tun schon genug andere auf dieser Welt), haltet zusammen und<br>pa\u00dft auf euch auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Neil LeVang&#039;s Ghost Riders In The Sky (1961) (Full HD)\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/F9roB6vIFBw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df vom See<br>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, auf der Autobahn, R\u00fcckfahrt vom Besuch bei meinen Enkeln, dreispurig, viel Verkehr, es geht \u00fcber die Rheinbr\u00fccke, auf der rechten Fahrbahnseite kann ich \u00fcber das Gel\u00e4nder schauen, auf den Rhein, ein Schiff, beladen, f\u00e4hrt rheinabw\u00e4rts. Ist das sch\u00f6n, langsam durchs Wasser pfl\u00fcgen, die Motoren wimmern leise, ich sehe das Ufer rechts und links, jetzt \u00fcber mir eine Br\u00fccke. Mein Gott, wie viel Verkehr dort oben! Die Autobahn wird zweispurig, ich biege ab. Wie&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2026\/02\/08\/zu-viel\/\">mehr<span class=\"screen-reader-text\">Zu viel<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52182,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","spay_email":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i1.wp.com\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_6775-2-scaled.jpg?fit=2560%2C1920&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52705"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52705"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52705\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52709,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52705\/revisions\/52709"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}