{"id":52643,"date":"2025-09-07T00:40:00","date_gmt":"2025-09-06T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52643"},"modified":"2025-09-06T21:42:45","modified_gmt":"2025-09-06T19:42:45","slug":"buddha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/09\/07\/buddha\/","title":{"rendered":"Buddha"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>da steht er auf dem Regal in meinem B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens sage ich nicht gerne B\u00fcro, klingt irgendwie nach Arbeit, nach Geldverdienen, nach Pflichten, ihr wi\u00dft schon, was ich meine. Ich nenne es lieber Herrenzimmer, obwohl in einem Herrenzimmer auch eine Couch stehen m\u00fc\u00dfte, so eine wie der Vati hatte, zum Lesen und f\u00fcr den 20-min\u00fctigen Mittagsschlaf. Mein Herrenzimmer fungiert zeitweise eben auch als B\u00fcro, mit allen Unterlagen, die man im Leben ben\u00f6tigt, in vielen verschiedenen sehr individuellen Ablagesystemen. Inzwischen wei\u00df ja jeder, da\u00df ich ein schlechter \u201eWegwerfer\u201c bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sind diese Ablagesysteme eher Aufbewahrungsorte und systematisch sind sie nur sehr rudiment\u00e4r. Das hat den ungeheuren Vorteil, sollte man etwas nicht sofort finden, dann findet man eben etwas anderes, was man irgendwann mal suchte und damals nicht fand, sowie Unterlagen und Dinge, an die man schon lange nicht mehr dachte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschung!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer steht da auf dem Regal?<br>Na, der Buddha, genauer gesagt, er sitzt. Etwas gelblich, soll wohl aussehen wie Elfenbein, schwer ist er auch, um es genau zu sagen: 1,3 kg. Durchmesser des Sockels, auf dem er sitzt, 12 cm und hoch ist er ca. 15 cm. Sitzriese! Wenn ich ihn so anschaue, mu\u00df ich sagen, da\u00df er eigentlich nicht sehr freundlich schaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ihn in Sal\u00f2 am Gardasee auf dem Markt erstanden. Die Gabi und ich waren mit dem VW-Bus (glaub ich wenigstens) auf einem Campingplatz in der N\u00e4he (Matera del Garda) und haben wahrscheinlich einen kleinen Ausflug nach Sal\u00f2 auf den Touristenmarkt gemacht. War ein sehr sch\u00f6ner Zeltplatz mit einer kleinen, vorgelagerten Insel, Isola San Biagio. Zu Fu\u00df konnte man durch seichtes Wasser auf das Inselchen gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war fr\u00fcher schon mal hier, mit meinen Eltern und meiner Schwester. Damals waren wir vorher in Bozen im Hotel, meine Eltern hatten sich dort mit Bekannten getroffen und wir haben ein oder zwei N\u00e4chte Station gemacht. Weiter ging\u2019s dann, wie gesagt, eben auf diesen Campingplatz. Seitdem mache ich meine Spaghettisauce genau so, wie es die Italienerin, die mit drei kleinen Kindern neben uns zeltete, es mir beibrachte. Ich hatte bei ihr einen kostenlosen Kochkurs mit anschlie\u00dfendem Essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, wir waren auf diesem Campingplatz, und \u00fcbrigens: Das mit dem VW-Bus stimmt nicht (ich war mir nicht ganz sicher und habe deswegen extra die Gabi angerufen). Sie wu\u00dfte noch genau, da\u00df wir dort mit einem kleinen Drei-Mann-Zelt waren, mit orangem Dach und blauem Unterteil. Es h\u00e4tten gerade so zwei Luftmatratzen reingepa\u00dft und noch ein bisschen Kochgeschirr. Und eben damals haben wir diesen Ausflug nach Sal\u00f2 gemacht. Ich kaufte einen Lederg\u00fcrtel, den ich fast 50 Jahre hatte (vor ein paar Jahren habe ich ihn schweren Herzens entsorgt) und eben diesen Buddha.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Buddha, der steht (sitzt) noch immer bei mir. Gott sei Dank!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zelt, das wei\u00df ich jetzt alles von der Gabi, hatten wir an einem wundersch\u00f6nen Platz auf einer Klippe mit Blick auf die Rocca aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sturmwarnung!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gabi meinte, ich sollte das Zelt doch mal mit gro\u00dfen Steinen (halben Felsen) beschweren, habe ich auch gemacht, Problem war, es war kein Platz mehr f\u00fcr uns. Wir sind dann zu den Nachbarn in den Campingbus geklettert und haben dort die Nacht \u00fcberlebt, sprichw\u00f6rtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten dann am n\u00e4chsten Morgen von dem Ganzen genug und haben uns auf die Heimfahrt gemacht. Unterwegs wurde ihr, sagt sie (die Gabi), nach dieser Nacht und einem eiskaltem Bier so \u00fcbel, da\u00df ich gerade noch in letzter Not auf einen Rastplatz fahren konnte, die Menschen, die da picknickten, waren bestimmt geschockt, als sie die Gabi erlebten, die war aber selbst auch geschockt \u2026!<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwie wollte ich eigentlich vom Buddha erz\u00e4hlen und wie ich jetzt auf diesen pl\u00f6tzlich komme.<br>Also, das war so, eines Morgens beim Hundespaziergang bemerkte ich einen blauen, sehr schlanken Buddha, der auf einer Holzkiste sa\u00df, die wiederum vor einem kleinen Haus stand.<br>Er blickte versonnen in den kleinen Park gegen\u00fcber, vielleicht auch weiter bis zum Bootsanleger. Ich nehme an, er wartete auf den Sperrm\u00fcll und verbrachte nun seine letzten Stunden, wie es sich f\u00fcr einen Buddhisten geh\u00f6rt, in stiller Meditation. Wahrscheinlich sinnierte er dar\u00fcber, wie das mit der Reinkarnation ist und als was \u2026 usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder zuhause habe ich deswegen meinen kleinen, dicken Buddha mit ganz anderen Augen angeschaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich als Teenager Siddharta von Hesse gelesen hatte, bin ich logischerweise zum Buddhismus gekommen, habe mir verschiedene B\u00fccher gekauft, mich eingehend damit besch\u00e4ftigt, war begeistert. Ich denke, das ist normal, da\u00df man sich im Laufe seines Lebens f\u00fcr Spirituelles interessiert, dies und das ausprobiert, mal sich mit Buddhismus, mal mit Hinduismus, den germanischen Gottheiten, dem Islam, dem Judentum und dem Shintoismus besch\u00e4ftigt.<br>Das Christentum umgibt uns in unserer Gesellschaft wie selbstverst\u00e4ndlich, vielleicht besch\u00e4ftigt man sich, speziell als junger Mensch, dann eher mit etwas anderem, Au\u00dfergew\u00f6hnlichem. Heute wei\u00df ich, da\u00df man in allen Religionen etwas findet, das einem die Augen \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Humanismus hatte es mir dann irgendwann angetan, \u00fcbrigens waren die bedeutendsten Humanisten Erasmus von Rotterdam und Johannes Reuchlin. So habe ich auch in dem Zusammenhang endlich verstanden, warum das Reuchlingymnasium in Pforzheim hei\u00dft, wie es hei\u00dft, und warum es ein humanistisches Gymnasium ist. Johannes Reuchlin, ein Sohn der Stadt, hat \u00fcbrigens anscheinend ein interessantes Leben gehabt, ich besorge mir mal eine Biographie.<br>Von Reuchlin kommt man dann leicht zu seinem Ziehsohn Philipp Melanchthon, durch ihn kam Luther auf die Idee, die Bibel ins Deutsche zu \u00fcbersetzen \u2026 Jetzt vergaloppiere ich mich mal wieder, aber es ist ja auch sehr sch\u00f6n, wenn man etwas dazulernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da kommt mir nat\u00fcrlich in den Sinn, da\u00df ich unglaublich viel Lebenszeit mit unwichtigen Dingen verplempert habe. Ich h\u00e4tte so viel mehr lesen k\u00f6nnen, dadurch noch so viel mehr lernen und verstehen k\u00f6nnen. Jetzt, da die Zeit immer k\u00fcrzer wird, habe ich Bedenken, da\u00df ich nicht mehr alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe, aber versuchen will ich es!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Lesen \u2026 geht mal auf Wikipedia und schaut nach Melanchthon und Reuchlin, interessant!,<br>und Musik: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Roger Waters-Ennio Morricone - Lost boys calling\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/yIXKRYpvIaY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen angenehmen Sonntag,<br>streitet nicht, haltet zusammen und pa\u00dft auf euch auf<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df vom See<br><br>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, da steht er auf dem Regal in meinem B\u00fcro. \u00dcbrigens sage ich nicht gerne B\u00fcro, klingt irgendwie nach Arbeit, nach Geldverdienen, nach Pflichten, ihr wi\u00dft schon, was ich meine. 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