{"id":52619,"date":"2025-06-22T00:28:00","date_gmt":"2025-06-21T22:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52619"},"modified":"2025-06-21T11:32:25","modified_gmt":"2025-06-21T09:32:25","slug":"mess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/06\/22\/mess\/","title":{"rendered":"Mess"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>die \u00dcberschrift hat nichts mit Englisch zu tun, beschreibt also kein Durcheinander, sondern ist ein heimatlicher Dialekt. Ein bi\u00dfchen hat es nat\u00fcrlich auch mit einem Durcheinander zu tun, kommt darauf an, von welcher Perspektive aus man es betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal im Jahr, jedes Jahr auch heuer, um genau zu sagen, in der vergangenen Woche fand dieses Durcheinander statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo? Auf dem Pforzheimer Messplatz. Woanders nennt man das Kirmes oder Jahrmarkt, bei uns hei\u00dft das eben Mess.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es da auch eine Historie. So wie ich das verstehe, hat alles im Jahre 1067 angefangen, als die Stadt das Marktrecht erhielt. Dieser Kr\u00e4mermarkt mit angeschlossenem Jahrmarkt fand an verschiedenen Orten in der Stadt statt, bis er sich dann ab 1960 auf dem Messplatz an der Habermehlstra\u00dfe etablierte, so auch vergangene Woche.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles gibt\u2019s dort, Pfannen, T\u00f6pfe, Spielwaren, Lederg\u00fcrtel, Gew\u00fcrze, Tee, Kunsthandwerk usw. F\u00fcr mich ist der Messer Mo (Messer Mann) wichtig, der sch\u00e4rft mir dann alles, was \u00fcber die Zeit den rechten Schliff verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fahrgesch\u00e4fte sind mir heute logischerweise zu wild, den Enkeln auf dem Kinderkarussell zuzuschauen, \u201ebleib brav sitzen, nein, nicht aufstehen!\u201c gen\u00fcgt mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den fleischlichen Gen\u00fcssen, bei einer Bratwurst bin ich schon dabei, Kartoffelpuffer, auch nicht schlecht. Das ganze S\u00fc\u00dfzeug, kandierte \u00c4pfel, Zuckerwatte, Schokoladenbrunnen, Zuckerstangen oder irgendwelche essbaren Gummischlangen \u00fcberlasse ich anderen, die ihre Z\u00e4hne damit gerne einer Belastungsprobe aussetzen.<br>Ok, ok, gebrannte Mandeln, Magenbrot find ich ganz gut, das habe ich auch meiner Mutter immer mitgebracht, als die 84 Treppenstufen f\u00fcr sie ab dem 90. Lebensjahr doch etwas beschwerlich wurden. \u201eF\u00fcr d\u2019Mess geh i jetz nemme do nunner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher, ja fr\u00fcher war das nat\u00fcrlich anders, selbstverst\u00e4ndlich ging man in den Jahren mit der 10 mehrmals in der Woche auf die Mess, mit zunehmendem Alter gen\u00fcgte dann ein Besuch, aber einmal, einmal war das mindeste.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Oma gab einem \u201eGeld f\u00fcr d\u2019Mess\u201c, der Opa auch, weil er nicht wu\u00dfte, da\u00df man schon etwas von der Oma bekommen hatte. Wahrscheinlich hat er es doch gewu\u00dft, aber sich opa-entsprechend (gro\u00dfz\u00fcgig) verhalten!<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schie\u00dfstand habe ich mir diese kleinen gelben Schraubenzieher geschossen, f\u00fcr die Freundin nat\u00fcrlich eine oder mehrere farbige Plastikblumen, die Anzahl der Sch\u00fcsse verrate ich jetzt nicht.<br>Das Gewehr war hundertprozentig verstellt!<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Freundin? Da war Box-Auto (heute hei\u00dft das AutoScooter) eine perfekte Methode, mit dem weiblichen Geschlecht indirekt in Ber\u00fchrung zu kommen. Nach mehreren Runden war der Kontakt hergestellt und man ging gemeinsam r\u00fcber zur \u201eWilden Maus\u201c (das war jetzt nicht die Freundin der frisch Angebeteten, sondern die Achterbahn). Um ehrlich zu sein, diese Berg- und Tal-Raserei war nicht so mein Ding, aber was tut man nicht alles f\u00fcr die Liebe, da muss man durch!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geisterbahn war da schon praktischer, cool legte man den Arm auf die R\u00fcckenlehne des Wagens und im richtigen Moment, beim Auftauchen eines Totenkopfes, besch\u00fctzerm\u00e4\u00dfig um ihre Schulter. Hinter der n\u00e4chsten Kurve, wenn der Sensenmann sich mit einem tiefen Lachen \u00fcber den Wagen beugte, konnte sie sich dann erschreckt entsprechend anschmiegen. Nicht am Sensenmann!<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Flohzirkus hat es mich schon beim Zuschauen gejuckt, trotzdem habe ich mich immer gefragt, wie die das machen. \u00dcbrigens wusstet ihr, dass nur weibliche Fl\u00f6he im Flohzirkus arbeiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wieviel Lose ich gekauft habe, keine Ahnung, gewonnen habe ich au\u00dfer irgendwelchem Kruscht nichts. Ich glaube, die lassen verschiedene Angestellte permanent mit riesigen Stoffb\u00e4ren, Tigern oder sonstigen wilden Tieren in der N\u00e4he umhergehen, um so den Eindruck zu erwecken, dass hier mehr oder weniger jedes oder mindestens jedes zweite Los gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Riesenrad fand ich nicht so spannend, im Spiegelkabinett habe ich mir einmal unglaublich den Kopf angeschlagen und bei \u201eHau den Lukas\u201c wollte ich mich nicht blamieren und habe das besser gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gro\u00dfkopferten stehen gemeinsam mit den Adabeis in der Regel an einem exklusiveren Stand, Namen habe ich vergessen, aber da gibt\u2019s dann Sekt, Wein, Aperol und edle Br\u00e4nde, alle anderen m\u00fcssen ins Bierzelt, zu Bier und Haxen und Hendl.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Familientag, also verg\u00fcnstigte Fahrten, gibt\u2019s, denke ich, immer noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Was es nicht mehr gibt, ist einen Tag Pause vom Rummel.<br>Da die Messe immer um die gleiche Jahreszeit ist, war der 17. Juni Teil der Woche, und an diesem Tag, unserem ehemaligen Nationalfeiertag, \u201eTag der deutschen Einheit\u201c, war eben Durchatmen und Warten auf den 18. angesagt. \u00dcbrigens, \u201eTag der deutschen Einheit\u201c ist eigentlich gar kein so schlechter Begriff, fehlt uns vielleicht zurzeit ein wenig, bei all dem Durcheinander!<\/p>\n\n\n\n<p>Am letzten Tag findet dann ein riesiges Feuerwerk statt, mit Ahhs und Ohhs sind alle dabei.<br>Es soll auch welche geben, die auf den Wallberg (den Schuttberg aus den Tr\u00fcmmern der Bombardierung) pilgern, nicht um des Angriffs zu gedenken, sondern das Feuerwerk von luftiger H\u00f6he aus, mit Blick auf die Stadt, zu genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"Beach Boys - I Can Hear Music\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sOsial01K0g?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen erfreulichen Sonntag.<br>Passt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df aus Hofheim<br><br>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, die \u00dcberschrift hat nichts mit Englisch zu tun, beschreibt also kein Durcheinander, sondern ist ein heimatlicher Dialekt. Ein bi\u00dfchen hat es nat\u00fcrlich auch mit einem Durcheinander zu tun, kommt darauf an, von welcher Perspektive aus man es betrachtet. Einmal im Jahr, jedes Jahr auch heuer, um genau zu sagen, in der vergangenen Woche fand dieses Durcheinander statt. Wo? Auf dem Pforzheimer Messplatz. Woanders nennt man das Kirmes oder Jahrmarkt, bei uns hei\u00dft das&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/06\/22\/mess\/\">mehr<span class=\"screen-reader-text\">Mess<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52620,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","spay_email":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i1.wp.com\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/SCO_Landscape_3-scaled.jpg?fit=2560%2C1707&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52619"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52619"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52622,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52619\/revisions\/52622"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}