{"id":52615,"date":"2025-06-15T00:04:00","date_gmt":"2025-06-14T22:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52615"},"modified":"2025-06-14T22:06:13","modified_gmt":"2025-06-14T20:06:13","slug":"mittagessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/06\/15\/mittagessen\/","title":{"rendered":"Mittagessen \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>um 11.15 Uhr hatten wir heute Schule aus, so kurz vor 12 kam ich nach Hause. Keiner da, mein \u00e4lterer Bruder arbeitete bzw. war in der Berufsschule f\u00fcr Uhrmacher.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kleine war noch im Kindergarten und w\u00fcrde etwa in einer halben Stunde auftauchen. Ich h\u00e4ngte meine Jacke an den linken (Kinder)kleiderhaken, der rechte war f\u00fcr den Kleinen bestimmt. Es waren goldene, verschn\u00f6rkelte Haken links, bevor man in die K\u00fcche ging, in der richtigen H\u00f6he f\u00fcr uns Kinder angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging in die K\u00fcche, holte mir aus dem K\u00fchlschrank etwas zu trinken, Apfelsaft und Sprudel.\u2028Der Apfelsaft war vom Lindemann, einer Kelterei, zu der wir jeden Herbst unsere \u00c4pfel brachten, die aus dem Garten und die vom Acker.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt denkt nicht, da\u00df das nur so ein paar \u00c4pfel waren, nein, es waren schon unglaublich viele.\u2028Ich kann mich noch an ein Jahr erinnern, in dem wir \u00fcber f\u00fcnfhundert (500!) Ein-Liter-Flaschen Saft f\u00fcr unsere \u00c4pfel bekamen!<\/p>\n\n\n\n<p>Das hie\u00df also vorher: B\u00e4ume sch\u00fctteln, \u00c4pfel auflesen, in S\u00e4cke f\u00fcllen, zur Mosterei fahren, ausladen, S\u00e4cke entleeren, leere Flaschen, die vom Jahr vorher, \u00fcbergeben, volle Flaschen einladen und dann zuhause im Keller auf die Regale stellen. Von der Stra\u00dfe bis zum Keller machten wir eine Menschenschlange, nicht als Demo, sondern zum schnelleren Transport, manchmal halfen auch ein paar Freunde mit und reichten so die Flaschen durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Teamarbeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann mich nicht erinnern, da\u00df wir je etwas anderes, zumindest f\u00fcr uns Kinder, zu Hause hatten als eben diesen Apfelsaft. Irgendwelche Limos oder wom\u00f6glich Cola, das war ausgeschlossen, Apfelsaft mit Sprudel war angesagt!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem K\u00fcchentisch lag eine von meiner Mutter handgeschriebene Arbeitsanweisung f\u00fcr mich, was zu tun sei, beide Elternteile waren noch bei der Arbeit und w\u00fcrden erst zwischen 13 und 13.30 Uhr aus der Praxis vom ersten Stock nach oben kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte Tisch decken, wir haben heute noch eine Person mehr, die Sprechstundenhilfe isst mit uns.\u2028Setze den Reis auf, Salat waschen, Zwiebeln schneiden und nimm den Topf mit dem Gulasch aus dem Eisschrank und erw\u00e4rme es langsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wu\u00dfte, wie das funktionierte mit dem Reis. Erst waschen, dann in den Topf mit ein wenig Fett und Zwiebeln, doppelte Menge Wasser dazu und warten bis er \u201eL\u00f6cher\u201c zieht, vom Herd nehmen, einpacken, meist nahm ich ein gro\u00dfes Badetuch, und dann ab ins Bett mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Mach ich \u00fcbrigens heute noch so!<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter kam ein paar Minuten vor dem Vati, lobte mich meist f\u00fcr meine Vorbereitungen und gab dann dem Mittagessen den letzten Feinschliff.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn alle auf ihren Pl\u00e4tzen sa\u00dfen, es war immer dieselbe Sitzordnung, w\u00fcnschten wir \u201eGuten Appetit\u201c und endlich war es soweit. Meist begannen wir mit einer Portion Salat, danach die Hauptspeise.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Tischmanieren wurde sehr viel Wert gelegt. Nicht auf dem Stuhl schaukeln, nicht mit vollem Mund sprechen (machen sie \u00fcbrigens in jedem Fernsehfilm), legte man einen Ellenbogen auf den Tisch, r\u00e4usperte sich unsere Mutter, warf uns einen entsprechenden Blick zu und schon sa\u00df man wieder vorschriftsm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Nachtisch, es gab fast immer Nachtisch, irgendwelche eingeweckten Fr\u00fcchte, fand in der Regel noch ein kurzer Wettbewerb unter uns Kindern statt, wer jetzt den Rest des Salats direkt aus der Sch\u00fcssel essen durfte. Das funktionierte in etwa so, da\u00df man die Salatsch\u00fcssel mit beiden H\u00e4nden hielt, kurz, aber wirklich nur sehr kurz fragte, \u201ewill noch jemand?\u201c und mehr oder weniger sofort ohne Zeitverz\u00f6gerung zu essen begann. Es ging aber nicht um den Salat, sondern nur um die Salatso\u00dfe!<\/p>\n\n\n\n<p>Herrlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Essenszeiten hatten einen festen Rhythmus. Am Morgen unter der Woche a\u00dfen wir Kinder meist vor den Eltern, weil wir eben fr\u00fcher zur Schule mu\u00dften, etwa 10 vor halb 8. Im Sommer gab es M\u00fcsli (das waren aber nur Haferflocken) mit Fr\u00fcchten aus dem Garten. Im Winter einen Haferbrei, mit einem gro\u00dfen St\u00fcck Butter in der Mitte. Es war wunderbar, wenn die Butter so gelb dahinschmolz. Ich behaupte, da\u00df ich wahrscheinlich relativ gute Z\u00e4hne habe, fast nie zum Zahnarzt mu\u00df, weil diese Haferbreikost sich doch irgendwie positiv ausgewirkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittagessen immer gemeinsam.<br>\u2028Das Abendessen meist wir Kinder alleine, wir haben uns entweder ein Brot mit Wurst, meist Salami, gemacht oder ich habe beim Kolonialwarenh\u00e4ndler gegen\u00fcber, dem Warner, eine B\u00fcchse Ravioli f\u00fcr mich und meinen Bruder geholt. Manchmal haben wir experimentiert und die Ravioli noch \u00fcberbacken oder etwas dazu geschnibbelt, das wir f\u00fcr passend hielten.<\/p>\n\n\n\n<p>An Samstagen, w\u00e4hrend des Sommers, hat meine Mutter oft einen Eintopf vorbereitet (Bohneneintopf mit Hammel, einfach grauslich! fand ich). Der wurde dann im Garten, auf dem Hachel, das war etwas zwei Kilometer von der Wohnung entfernt, gemeinsam mit irgendwelchen Helfern, die mein Vater f\u00fcr die \u201eschweren\u201c Arbeiten angeheuert hatte, gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonntage geh\u00f6rten der Familie, Fr\u00fchst\u00fcck, Mittag- und Abendessen gemeinsam, ebenso unter Umst\u00e4nden eine nachmitt\u00e4gliche \u201eKaffeefahrt\u201c. Es war v\u00f6llig undenkbar, da\u00df wir Freunde eingeladen h\u00e4tten oder wir an Sonn- und Feiertagen nicht dabei gewesen w\u00e4ren. \u201eSonntags gehm mr net uff\u2019d Gass, des g\u2019h\u00f6rt sich net\u201c, hie\u00df das.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich auch nicht \u201egeh\u00f6rte\u201c, war, auf der Stra\u00dfe etwas zu essen oder, wie heute \u00fcblich, mit einem Kaffeebecher durch die Stra\u00dfen zu wandeln, unm\u00f6glich. Ok, ein Eis vom Casal zum Schlecken, das war erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat irgendwie alles auf mich ein wenig abgef\u00e4rbt und so schlecht ist das ja auch nicht, wenn man ein bi\u00dfchen wei\u00df, wie man sich benehmen soll, oder? Gibt auf jeden Fall einem ein bi\u00dfchen Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesetip: Guy de Maupassant \u201eAuf See\u201c und Musik von, na klar, von und mit Brian Wilson, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/UkET6EgsfVA und https:\/\/youtu.be\/CCYw3HrtXAQ\">https:\/\/youtu.be\/UkET6EgsfVA und https:\/\/youtu.be\/CCYw3HrtXAQ<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen wunderbaren, gemeinsamen Sonntag.\u2028Pa\u00dft auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df vom See<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, um 11.15 Uhr hatten wir heute Schule aus, so kurz vor 12 kam ich nach Hause. Keiner da, mein \u00e4lterer Bruder arbeitete bzw. war in der Berufsschule f\u00fcr Uhrmacher. Der Kleine war noch im Kindergarten und w\u00fcrde etwa in einer halben Stunde auftauchen. Ich h\u00e4ngte meine Jacke an den linken (Kinder)kleiderhaken, der rechte war f\u00fcr den Kleinen bestimmt. 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