{"id":52589,"date":"2025-04-06T00:11:00","date_gmt":"2025-04-05T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52589"},"modified":"2025-04-05T20:12:51","modified_gmt":"2025-04-05T18:12:51","slug":"gegensaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/04\/06\/gegensaetze\/","title":{"rendered":"Gegens\u00e4tze"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>Hohwald hei\u00dft das Waldst\u00fcck, das ein paar Kilometer n\u00f6rdlich des Hauptfriedhofs liegt.<br>K\u00fcrzlich, ich hatte \u00fcbers Wochenende meinen Bruder besucht, war ich morgens gegen dreiviertel acht (Viertel vor acht) mit dem Hund auf dem \u00fcblichen, t\u00e4glichen Morgenspaziergang eben dort unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Entlang am Waldrand, links dichte Baumreihen, rechts Felder, vor mir die Autobahn.<br>Immer n\u00e4her kam ich dem nicht abrei\u00dfenden Strom der Autos.<br>Wohin fahren all die Menschen an einem fr\u00fchen Samstagmorgen?<br>Urlaub, Einkaufstour in die n\u00e4chste Gro\u00dfstadt oder nur ein Kurzbesuch bei den Gro\u00dfeltern?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfe machte einen Bogen, rechts von mir jetzt ein Wall mit B\u00fcschen und kleinen B\u00e4umen, der mich von der Blechlawine abschirmte, Streuobstwiesen bis zum Waldrand zu meiner Linken.<\/p>\n\n\n\n<p>Kalt war es, etwa null Grad, kein Wind, blauer Himmel, und die Sonne begann, die B\u00e4ume in ein warmes, r\u00f6tliches Licht zu tauchen. Hinter der Stadt, \u00fcber den H\u00fcgeln des Nordschwarzwaldes ein herrliches Morgenrot.<br>Ich bog vom geteerten Weg ab und ging \u00fcber einen Graspfad wieder auf den Wald zu.<br>Und pl\u00f6tzlich \u00fcberkam es mich, ein sentimentales Gef\u00fchl. Meine Welt teilt sich gerade in gestern, heute und morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bewegte mich so, aus heiterem Himmel?<br>Ich fiel in eine tiefe Grube, gef\u00fcllt mit Sehnsucht und Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Heimweh?<br>Irgendwie positiv, ein Gegensatz und doch ein Wohlgef\u00fchl.<br>Ein Wohlgef\u00fchl. Ja, ein Wohlgef\u00fchl, das ist wohl der richtige Ausdruck f\u00fcr diese tiefe Sehnsucht und das unermessliche Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehnsucht nach lang Verblichenem, nach Einfachheit, Geborgenheit, Vertrautem, kein Aufwand, den richtigen Weg zu finden, reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, Essen, das ich kenne, Erinnerungen an gl\u00fcckliche, einfache Tage, erste Lieben und der erste Ku\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die l\u00e4ngere Zeit meines Lebens war ich nicht hier und eigentlich m\u00fc\u00dfte ich mich auch emotional an diese Distanz gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Seele, das Herz oder das Gef\u00fchl nimmt keine R\u00fccksicht, weder r\u00e4umlich noch zeitlich, es klopft an und zeigt mir, wo ich her komme, wo mein Leben begann. Hier wurde ich geboren, Kindergarten, Schule, Lehre, Studium, kurzes Gastspiel in einem kleinen Unternehmen, man kann das alles unter \u201eLernen\u201c abhaken. Zum wirklichen Arbeiten, was man Karriere nennt, habe ich hier alles verlassen f\u00fcr ein anderes, neues Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, wenn ich zur\u00fcck bin, ist es da, dieses Sehnen, dieses Wohlgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das ein Kreis, der sich schlie\u00dft, beginnt und schlie\u00dft?<br>Kein Kreis hat einen Anfang, ein Ende, endg\u00fcltig, du kannst ihn nur einmal, aber dann f\u00fcr immer verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle, wenn ich mich hinein lausche, da\u00df etwas da ist, immer da war und nie vergehen wird. Und es ist gut zu wissen, wie man bei Hermann Hesse nachlesen kann:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eda\u00df in uns drinnen einer ist (ich f\u00fcge ein ,Etwas\u2019 hinzu), der alles wei\u00df, alles will, alles besser macht als wir selber.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe title=\"To Try for the Sun\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IYtfaALPeHw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen erf\u00fcllten Sonntag.<br>Pa\u00dft auf euch auf, streitet nicht<br>und haltet zusammen<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck zum See<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, Hohwald hei\u00dft das Waldst\u00fcck, das ein paar Kilometer n\u00f6rdlich des Hauptfriedhofs liegt.K\u00fcrzlich, ich hatte \u00fcbers Wochenende meinen Bruder besucht, war ich morgens gegen dreiviertel acht (Viertel vor acht) mit dem Hund auf dem \u00fcblichen, t\u00e4glichen Morgenspaziergang eben dort unterwegs. Entlang am Waldrand, links dichte Baumreihen, rechts Felder, vor mir die Autobahn.Immer n\u00e4her kam ich dem nicht abrei\u00dfenden Strom der Autos.Wohin fahren all die Menschen an einem fr\u00fchen Samstagmorgen?Urlaub, Einkaufstour in die n\u00e4chste Gro\u00dfstadt&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2025\/04\/06\/gegensaetze\/\">mehr<span class=\"screen-reader-text\">Gegens\u00e4tze<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":52256,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","spay_email":""},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i1.wp.com\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/IMG_8939-scaled.jpg?fit=2560%2C1920&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52589"}],"collection":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52589"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52590,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52589\/revisions\/52590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52256"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}