{"id":52332,"date":"2023-09-24T00:52:00","date_gmt":"2023-09-23T22:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=52332"},"modified":"2023-09-24T11:25:11","modified_gmt":"2023-09-24T09:25:11","slug":"glueck-und-talent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2023\/09\/24\/glueck-und-talent\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcck und Talent"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">kennt ihr das? Eine Welle des Gl\u00fccks schwappt in unser Herz oder unsere Seele, das Gehirn und sonst wohin. Ihr wisst bestimmt, was ich meine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist Dienstag, nach dem Fr\u00fchst\u00fcck beschlie\u00dfe ich, mich nach drau\u00dfen zu setzen; mitsamt Laptop, Telefon, Kopfh\u00f6rer, einer kleinen Teekanne, es ist noch etwas Sencha vom Fr\u00fchst\u00fcck \u00fcbrig, meiner japanischen Teeschale und schaue.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Himmel ist soo bayrisch, obwohl wir hier in Baden sind, also wei\u00df-blau.<br \/>Eine leichte Bise, wie die Schwyzer sagen, weht von Nordosten<br \/>Der Oleander versucht nochmals zu bl\u00fchen, die Rosen wetteifern sonnengleich in rot, wei\u00df und gelb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unten am See reden die Pappeln mit dem Wind; vielleicht reden sie auch untereinander und der Wind transportiert nur ihre Worte.<br \/>So genau kann man das nicht sagen, die Sprache des Windes und der Bl\u00e4tter sind schwer auseinanderzuhalten.<br \/>\u00dcberhaupt hat mich schon als Kind fasziniert, wohin die Wolken reisen und wie der Wind aussieht. In Bilderb\u00fcchern war er immer ein Gesicht, das mit weitem offenen Mund kr\u00e4ftig gepustet hat; die Haare waren irgendwie nach hinten, also hat ihm vielleicht ein anderer Wind entgegen geblasen. Wenigstens hat das so ausgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das mit dem Gl\u00fcck ist schon seltsam. Man wei\u00df nicht, woher es kommt und auch nicht, wie lange es bleibt. Meist bemerkt man es auch gar nicht. Man ist n\u00e4mlich gl\u00fccklich, wei\u00df es nicht, denkt das sei \u201enormal\u201c oder sogar ungl\u00fccklich, einfach, weil man keinen Vergleich hat.<br \/>Versucht mal euren seelischen Zustand mit dem irgendeines anderen zu vergleichen; dann merkt ihr, dass ihr gl\u00fccklich seid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bisschen ist das, wie mit Talent. Hat man ein Talent, dann wei\u00df man das nicht. Also mir ging das jedenfalls immer so.<br \/>Es gibt nat\u00fcrlich Menschen, die wissen, in was sie gut sind oder welche Gabe sie haben. Aber da sie das jedem laut entgegen schleudern, wendet sich das Gegen\u00fcber mit leichtem Grausen ab und so hat diejenige von dieser F\u00e4higkeit auch nichts.<br \/>Talent wird meist von anderen entdeckt und wenn man Gl\u00fcck hat, zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich ist es normal, mich auch nach zehn Jahren zu erinnern, wann ich in dieser Stadt in die Stra\u00dfe \u201eBismarkstra\u00dfe Nummer 6\u201c abbiegen muss.<br \/>Es erstaunt mich, dass meine Mitfahrerin sich nicht mehr erinnern kann. \u201eAber hier waren wir doch schon mal vor einigen Jahren!\u201c \u201eDu bist eben talentiert darin, dir unwichtige Sachen zu merken, ich habe ein Navi!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ok, immerhin ein Talent und das mit den unwichtigen Dingen stimmt auch. Begeistert merke ich mir Dinge, die im Leben keine gro\u00dfe Rolle spielen, warum es ADIDAS hei\u00dft, von wo nach wo Bertha Benz die erste Autofahrt gemacht hat, wer Mercedes war, bevor sie ein Auto wurde und und und\u2026\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kann man nat\u00fcrlich behaupten: Wer sonst nichts wei\u00df, merkt sich eben diese Nebens\u00e4chlichkeiten. Stimmt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026erstens besteht das Leben in der Regel sowieso aus unz\u00e4hligen Nebens\u00e4chlichkeiten und zudem sind wir auch meist nicht so wichtig, wie wir denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026zweitens kann man eben mit diesem Wissen doch Eindruck machen, denn von einem studierten Physiker\/Chemiker\/Arzt oder Ingenieur erwartet man einfach, dass er wissend ist.<br \/>Aber bei unwichtigen Dingen nicken doch einige und best\u00e4tigen, dass sie das jetzt nicht gewusst h\u00e4tten und f\u00fcr einen kleinen Moment ist man der Riese im Rund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nochmal zu Gl\u00fcck, ich habe mal in einem Weihnachtsbrief \u00fcber eines meiner Lieblingsm\u00e4rchen \u201eHans im Gl\u00fcck\u201c geschrieben.<br \/>Das M\u00e4rchen kennt ihr ja alle und wenn nicht, solltet ihr es mal wieder lesen und es auch mal mit anderen Augen betrachten.<br \/>Hans ist am Ende froh, gl\u00fccklich von einer schweren Last befreit zu sein.<br \/>So irgendwie passt diese Geschichte vom \u201everlieren&#8220; ja nicht in unsere heutige Welt. Anscheinend hat Hans aber ein anderes Wertesystem, strebt nicht nach Offensichtlichem will dieses \u201eUnsichtbare&#8220; finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das ja das Gl\u00fcck nach dem alle streben und oft nicht merken, dass es bereits auf der Schulter sitzt, einfach nur da ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man stellt dann vielleicht fest, dass man eigentlich viel weniger braucht als man glaubt.<br \/>Man kann zur gleichen Zeit nur ein Schnitzel, egal ob fleischig oder vegetarisch essen, zur gleichen Zeit nur ein Auto fahren, hat nur eine Gesundheit nur eine Lebenszeit und die, die ist \u00fcbrigens nicht vermehrbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Vergangenheit habe ich mir oft die Frage gestellt, ob ich durch die Zeit gehe oder die Zeit durch mich. Heute wei\u00df ich, ich bin die Zeit. Keine Zeit zu haben, gibt es deshalb nicht. Zeit ist vielmehr das einzige, was einem geh\u00f6rt. (Seneca, 1. Brief an Lucilius, da kann man das sehr sch\u00f6n nachlesen)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben wird vorw\u00e4rts gelebt und r\u00fcckw\u00e4rts betrachtet und nur im Blick zur\u00fcck wei\u00df man, was man vielleicht anders gemacht h\u00e4tte.<br \/>Doch um zu lernen und sich neu auszurichten soll man, auch wenn ich es nicht immer einfach finde, von Zeit zu Zeit innehalten, sich besinnen und gegebenenfalls sich neu definieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frei nach Oskar Wilde \u201eAm Ende wird alles gut und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht das Ende.\u201c<br \/>w\u00fcnsche ich euch einen gl\u00fccklichen Sonntag,<br \/>passt auf euch und die anderen auf,<br \/>streitet nicht, haltet zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lieben Gru\u00df vom See (gleich auf dem Weg nach Hofheim)<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/Wj-PlNXPCFc?si=Kuj5_3wUNbxjfB7D\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/youtu.be\/Wj-PlNXPCFc?si=Kuj5_3wUNbxjfB7D<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Euer Eckhard\/Papa\/Opa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, kennt ihr das? Eine Welle des Gl\u00fccks schwappt in unser Herz oder unsere Seele, das Gehirn und sonst wohin. Ihr wisst bestimmt, was ich meine. Es ist Dienstag, nach dem Fr\u00fchst\u00fcck beschlie\u00dfe ich, mich nach drau\u00dfen zu setzen; mitsamt Laptop, Telefon, Kopfh\u00f6rer, einer kleinen Teekanne, es ist noch etwas Sencha vom Fr\u00fchst\u00fcck \u00fcbrig, meiner japanischen Teeschale und schaue. 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