{"id":51924,"date":"2021-05-30T01:50:00","date_gmt":"2021-05-29T23:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51924"},"modified":"2021-05-29T19:52:28","modified_gmt":"2021-05-29T17:52:28","slug":"auschee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2021\/05\/30\/auschee\/","title":{"rendered":"Auschee!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ich war 2-3 Tage bei meiner Mutter in Pforzheim, mein Bruder ist in Urlaub und mit 94 wollen wir sie nicht gerne alleine lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Morgen steige ich herab vom 5 Stock, 84 Stufen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich entscheide mich auf der Sonnenseite der Stra\u00dfe zu gehen aber bei diesem Morgenberufsverkehr auf die andere Stra\u00dfenseite zu kommen ist gar nicht so einfach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich einmal in Kairo war fragte ich mich, warum mach ich eigentlich gef\u00e4hrlich Outdoortrainings f\u00fcr Manager, Rafting in kleinen Gummibooten, Schwimmen mit dem Managementteam im Wildwasser, lasse mich an steilen Felsen (ich konnte nicht nach unten schauen) abseilen oder \u00fcberquere eine kleine Schlucht an einem (vorher selbst gebauten) \u201eFlying Fox\u201c (ihr k\u00f6nnt mal nachschauen was das ist), nur um einen Kick, eine Herausforderung (Challenge) im Management zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles ist zwar spannend, macht zum Teil auch Spa\u00df, aber es ist auch eine gro\u00dfes organisatorisches Unterfangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ebenso gro\u00dfe Herausforderung dachte ich &#8211; und leichter zu organisieren &#8211; w\u00e4re ein Trip nach Kairo. Aufgabe: eine Hauptstra\u00dfe \u00fcberqueren. Das ist eine Herausforderung! Nervenkitzel! &nbsp;Nicht ungef\u00e4hrlich, die rasen wie verr\u00fcckt und langsamer zu machen oder sogar an das Anhalten, denkt keiner (ist eigentlich ja auch nicht m\u00f6glich). An der Stra\u00dfenseite liegen zum Teil halbe Autos, wo die andere H\u00e4lfte war habe ich nie herausgefunden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittendrin im brausenden Verkehr steht auch ein Polizist, bewegt die Arme und pfeift ab und zu. Ich kann zwar nicht erkennen was dieses Pfeifen bewirkt oder ob sich jemand daran h\u00e4lt, ich habe das Gef\u00fchl es ist eher um zu demonstrieren: Hey, Hallo, ich bin auch noch da und wichtig!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re jetzt eine sehr sch\u00f6ne Schleife zum Managementtraining, da gibt es auch solche Funktionen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jungs, die Wasser und etwas zu Essen verkaufen, stehen auch in diesem Verkehrsstrudel, ich frage mich wie sie ihre Waren an den Mann bringen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens, auch wenn ich mutig genug gewesen w\u00e4re bei so einem Verk\u00e4ufer mitten auf der Stra\u00dfe stehenzubleiben, gegessen h\u00e4tte ich da wirklich nichts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Flei\u00dfig habe ich mich an die Regel gehalten schon zwei Wochen&nbsp;vor meinem Besuch jeden Tag Joghurt zu essen. Ansonsten ist die Empfehlung schon am Morgen auf n\u00fcchternen Magen einen Cognac zu trinken, um ohne die Rache des Pharaos durch diesen Trip zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat auch immer geklappt, nur einmal nach einem Trip auf der Weiterreise nach Saudi war es etwas kritisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ok, geschafft, Hohenzollernstra\u00dfe \u00fcberquert, vorbei an gelben M\u00fclls\u00e4cken, die werden ja hoffentlich heute alle abgeholt, sonst ist das wirklich ein Hindernislauf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stra\u00dfe runter, rechts in die Ebersteinstra\u00dfe, am Pl\u00e4tzle ist der B\u00e4cker.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leer, also Maske auf, rein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt drei Laugenweck im Sonderangebot, &#8222;die nehm\u2018 ich mal und noch einen Nordstadtweck (wir sind hier in der Nordstadt) und jetzt noch etwas mit K\u00f6rner\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Sonnenblumen, K\u00fcrbis Saat?&#8220;, &#8222;egal, ich esse das sowieso nicht, irgendeinen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ach und geben sie mir bitte noch ein St\u00fcck Rhabarberkuchen, zum Nachmittagstee f\u00fcr meine Mutter\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bestelle noch viermal ein Pfund Nudelteig, einen f\u00fcr mich und drei f\u00fcr meine Franz\u00f6sischlehrerin in Konstanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hei\u00dfen sie nochmal?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sage meinen Namen (der hier gleich verstanden wird; im Rest von Deutschland ist das nicht so, was ich noch nie verstanden habe).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Ach ja,&#8220; sagt sie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir (die B\u00e4ckersfrau und ich) schw\u00e4tze no a bissle, ja klar, im breitesten Dialekt. Ich habe ja auch so bestellt, (I krieg no an Nordstadtweck)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sen se dies Johr scho im Urlaub gw\u00e4? (waren sie dieses Jahr schon im Urlaub?) Noi (Nein), Mir gehn im Sommr in Doskana (Wir gehen im Sommer in die Toskana)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auschee! (Oh, wie sch\u00f6n)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt doch wunderbar, zumindest f\u00fcr mich<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Heimweg, wieder auf der Sonnenseite an den M\u00fclls\u00e4cken vorbei, frage ich mich, was ist eigentlich Heimat? Das fragt man sich ja von Zeit zu Zeit immer mal wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich denke, es hat auch sehr viel mit Sprache zu tun, es kostet mich keine Anstrengung, auch keine unbewusste, ich rede eben so, wie mir der Schnabel&nbsp;gewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I schw\u00e4tz halt wie\u2019d Leit un di verschtehn mi, alle! Sogar die Ausl\u00e4nder, die koine me sin, weil se scho do gebore sin. Eihoimische \u00e4be, und keiner sagt hier Migrationshintergrund, das ist was f\u00fcr Berliner und Hochdeutsche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprache kann man eben immer mitnehmen und auch wenn man in fremden Zunge unterwegs ist, wie Englisch, Hochdeutsch oder Franz\u00f6sisch, man ist in seiner Mundart &nbsp;(das \u201eart\u201c k\u00f6nnte f\u00fcr Kunst stehen) in seinem Dialekt immer&nbsp;<strong>dahoim,<\/strong>&nbsp;egal wo man sich auf dieser Welt aufh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/youtu.be\/6pR1cVgk7Is\">https:\/\/youtu.be\/6pR1cVgk7Is<\/a>&nbsp; und von Alex Capus \u201ePatriarchen&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich w\u00fcnsche euch einen polyglotten Sonntag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gebt weiterhin auf euch acht, wo immer ihr auch gerade seid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lieben Gru\u00df vom See<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Papa\/Eckhard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, ich war 2-3 Tage bei meiner Mutter in Pforzheim, mein Bruder ist in Urlaub und mit 94 wollen wir sie nicht gerne alleine lassen. Am Morgen steige ich herab vom 5 Stock, 84 Stufen!&nbsp; Ich entscheide mich auf der Sonnenseite der Stra\u00dfe zu gehen aber bei diesem Morgenberufsverkehr auf die andere Stra\u00dfenseite zu kommen ist gar nicht so einfach. 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