{"id":51827,"date":"2020-11-29T01:36:00","date_gmt":"2020-11-29T00:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51827"},"modified":"2020-11-28T18:38:35","modified_gmt":"2020-11-28T17:38:35","slug":"advent-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2020\/11\/29\/advent-i\/","title":{"rendered":"Advent I"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>Advenire, ankommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In Latein war ich nie eine gro\u00dfe Leuchte, eben ein <em>Lernfach<\/em>! Zu strukturiert, zu logisch f\u00fcr mich, mit Logik und Struktur stand ich schon immer auf dem Kriegsfu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hielt mich aber an die Empfehlung&nbsp;meines Lateinlehrers Herrn Fersching &#8211; Gott habe ihn selig &#8211; &#8222;Ihr braucht Latein, damit ihr in der Stra\u00dfenbahn mit eurer humanistischen Bildung angeben k\u00f6nnt. (Er sa\u00df bei Klassenarbeiten auf einem Stuhl, den er auf sein Pult stellte, zwecks \u00dcberblick).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man erz\u00e4hlte \u00fcbrigens, dass er im 2. Weltkrieg einen Panzer gefahren h\u00e4tte, deswegen vielleicht der Ausblick aus dem Gefechtsturm.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Zusammenhang f\u00e4llt mir ein, dass ich einige Lehrer hatte, die kriegsversehrt waren. Herr Lutz, der halb auf der Ecke des Pultes sa\u00df, ein Bein baumeln lies und ab und zu die Luft aus seiner Beinprothese lassen musste. Schrecklich, aber f\u00fcr uns Kinder war es faszinierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Advenire, ich k\u00f6nnte es sogar noch konjugieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man ankommt, kommt man ja auch von irgendwo her, weil man immer woher kommt, geht ja nicht anders. Man kann jetzt den Kopf drehen (so weit wie das in unserem Alter noch m\u00f6glich ist) und zur\u00fcckschauen was man so alles hinter sich gelassen hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ganze Menge Leben!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt jetzt nur darauf an wie alt\/jung man sich f\u00fchlt. Man f\u00fchlt sich ja immer irgendwie, jeden Tag ein bisschen anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann den gro\u00dfen Bogen schlagen und soweit zur\u00fcckschauen, wie ich eben zur\u00fcckschauen kann. Bei den meisten ist das bis zum Zeitpunkt als sie 3 Jahre alt waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Alte Bilder k\u00f6nnen die Erinnerung noch auffrischen. Ich sehe mich, etwa 5 Jahre alt, auf einer Bank, mit einem echten L\u00f6wen! Naja, ein kleiner L\u00f6we, ein junger aber ein lebendiger L\u00f6we. Wir waren unterwegs, auf einer Autobahnrastst\u00e4tte&nbsp;da ist es passiert!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Mann bot an, ein Foto mit einem L\u00f6wen von einem zu schie\u00dfen (mein Enkel Onno w\u00fcrde jetzt fragen, was das denn gekostet hat). &nbsp;Ich sa\u00df also auf dieser Bank (recht verkrampft und \u00e4ngstlich) und halb \u00fcber mir, auf meinem Scho\u00df, diese \u00fcberdimensionale Katze. Vielleicht sind Katzen mir deswegen bis heute immer etwas unheimlich, ich kann sie einfach nicht einsch\u00e4tzen. Der Psychologe w\u00fcrde jetzt bei mir ein Katzentrauma aus fr\u00fcher Kindheit attestieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber bei Menschen geht es ja einem auch so. Unbekannte, Fremde, nicht einsch\u00e4tzbare&nbsp;Menschen machen uns manchmal unsicher, vielleicht sogar ablehnend. Wir haben deswegen jetzt aber kein Menschentrauma, aber je weniger man in der Welt herumgekommen ist, desto enger ist der eigene Horizont, ist doch logisch, oder?!<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann in meinem vergangenen Leben stand ich am Persischen Golf, schaute \u00fcbers Wasser und dachte: \u201e<em>Mein Lieber Scholli, Eckhard, wie bist du denn hierher gekommen und warum und wieso? Du bist doch nur der kleine Ecki aus der Hohenzollernstra\u00dfe.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So ist mir das mein ganzes Leben gegangen. Ich denke, ich habe meine Kindheit nie ganz verlassen. Und erwachsen werden wollte ich sowieso nie. Wenn mir das ein wenig gegl\u00fcckt ist, dann bin ich da angekommen, wo ich eigentlich hinwollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen wunderbaren ersten Advent.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebt auf euch acht!<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df aus Hofheim<\/p>\n\n\n\n<p>Papa\/Eckhard<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/mpw8buvOV8k&nbsp;\/\">https:\/\/youtu.be\/mpw8buvOV8k&nbsp;\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Lesen vielleicht Robert Seethaler \u201eDer letzte Satz&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, Advenire, ankommen.&nbsp; In Latein war ich nie eine gro\u00dfe Leuchte, eben ein Lernfach! Zu strukturiert, zu logisch f\u00fcr mich, mit Logik und Struktur stand ich schon immer auf dem Kriegsfu\u00df. Ich hielt mich aber an die Empfehlung&nbsp;meines Lateinlehrers Herrn Fersching &#8211; Gott habe ihn selig &#8211; &#8222;Ihr braucht Latein, damit ihr in der Stra\u00dfenbahn mit eurer humanistischen Bildung angeben k\u00f6nnt. 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