{"id":51818,"date":"2020-11-15T01:14:00","date_gmt":"2020-11-15T00:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51818"},"modified":"2020-11-15T09:14:39","modified_gmt":"2020-11-15T08:14:39","slug":"wie-war-das-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2020\/11\/15\/wie-war-das-noch\/","title":{"rendered":"Wie war das noch?"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>wenn man schon am Montag an den Sonntag denkt, hei\u00dft das nicht, da\u00df man sich nur auf das \u201efreie Wochenende\u201c freut. Wir, von der abh\u00e4ngigen Arbeit, Befreiten haben ja immer frei.<br>Bei mir hat dieser Gedanke eher damit zu tun, da\u00df ich in meinem Kopf w\u00fchle, in all diesen unsortierten Erinnerungen, welche Sonntagsgedanken sich als Sonntagsgedanken eignen w\u00fcrden. Spa\u00dffaktor f\u00fcr mich beim schreiben, f\u00fcr euch beim lesen, nicht belehrend, jugendfrei (andere Erinnerung habe ich nat\u00fcrlich auch, aber da schweigt der Gentleman) und . Mein Hund liegt hinter mir auf meinem besten Teppich, naja was soll ich machen, er schl\u00e4ft tief und fest. So richtige Sonntagsgedanken kommen mir noch nicht in den Sinn.Wolken h\u00e4ngen \u00fcber dem See, der liegt na\u00df und grau in seinem Bett, die beiden Raben sitzen auf der Birke, sch\u00fctteln sich ab und zu und denken wahrscheinlich, \u201ewas f\u00fcr ein sch\u2026 Wetter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Opa, auf dem Photo auf meinem Schreibtisch, blickt fragend in die Ferne, den Zeigefinger der rechten Hand hat er an die Unterlippe gelegt. Er schaut, leicht kritisch so wie man fragt: was ist das jetzt,&nbsp;&nbsp;wie war das noch, was machen die da?Das Bild mu\u00df im Garten aufgenommen worden sein, man sieht in der Ecke ein Teil des Polsters vom Gartenstuhl. Er tr\u00e4gt ein kurz\u00e4rmeliges, bl\u00e4uliches Hemd, mit einem kleinen Muster.<br>Ich denke auf diesem Bild ist er schon weit \u00fcber achtzig. Nach dem Krieg, als er nach der franz\u00f6sischen Gefangenschaft wieder daheim war, hat er bei einem Mercedes Autohaus in Pforzheim&nbsp;&nbsp;als Prokurist gearbeitet. Prokurist ist ja kein Beruf, er war eben kaufm\u00e4nnischer Angestellter. Die Oma hat aber gesagt, der Opa ist Prokurist, deswegen dachte ich immer das ist der Job. Der Inhaber war ein Freund von ihm. Wir Kinder haben zu ihm Onkel Ernst und zu seiner&nbsp;&nbsp;Frau Tante Maus gesagt. Keine Ahnung warum Maus ?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens hatte mein Opa nie einen F\u00fchreschein und die Oma logischerweise auch nicht.Was f\u00e4llt mir noch zu ihm ein? Mittwochs ging er in die Singstunde. Er hat vieles f\u00fcr mich gebaut, eine Ritterburg aus massiven Holz, eine Eisenbahn auf einer gro\u00dfen Holzplatte(eigentlich hat das das Christkind gemacht) aber sp\u00e4ter habe ich herausgefunden, da\u00df es doch der Opa war.&nbsp;<br><br>Nicht nur am Mittwoch in der Singstunde er hat gern gesungen, auch am Sonntag beim Schuhe putzen. Den Endiviensalat hatte er am liebsten \u201ehauchd\u00fcnn geschnitten&#8220; gegessen, Sp\u00e4tzle rutschen beim Essen ruckzuck in den Magen, mit Reisk\u00f6rnern hatte er so seine Schwierigkeiten, die wollen einfach nicht durch seine, wie er sagte \u201eStrumpfgurgel\u201c. \u00dcbrigens hat er mir mal gesagt, da\u00df sich im Alter der Geschmack ver\u00e4ndert, ich habe damals gedacht, oh Gott, oh Gott schmecken mir dann keine Sp\u00e4tzle mehr. Sie schmecken immer noch, am besten direkt aus dem Wasser. Aber inzwischen mag ich auch Gem\u00fcse und vieles andere mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange er ins B\u00fcro ging, war der Opa immer piekfein&nbsp;&nbsp;angezogen. Anzug, mit Gillet, Krawatte und mit irrsinnig, fein geputzten, gl\u00e4nzenden Schuhen. Die Schn\u00fcrsenkel (bei uns Schuhb\u00e4ndel) hat er mit dem kleinen Schuhl\u00f6ffel in der Seite(au\u00dfen), innen verwahrt.<br>Als die Oma starb hat mir mein Opa, den Teil des Taschengeldes, der von der Oma kam, weiterbezahlt. Ich habe bis zum 30 Lebensjahr von ihm monatlich etwas bekommen, bis ich ihm sagte, er kann das jetzt doch lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin dankbar und froh, da\u00df ich ein gl\u00fcckliches Leben habe, ich denke meine Gro\u00dfeltern haben daf\u00fcr das Fundament gelegt.<br>Der Papa vom Opa war \u00fcbrigens&nbsp;Schneider, so wie man sich das vorstellt, mit gekreuzten Beinen auf dem Tisch. Vielleicht&nbsp;&nbsp;hat der Opa auch deswegen immer Ma\u00dfanz\u00fcge getragen, ich war manchmal mit, wenn er den Stoff ausgesucht hat. Da er einen kleinen Buckel hatte war das nat\u00fcrlich auch geschickt etwas ma\u00dfgeschneidertes zu tragen.<br>Die Mama vom Opa war eine geborene Gall, aus TIefenbronn. Ihr k\u00f6nnt ja mal im Internetz nach schauen wer dieser Franz Joseph Gall war. Er ist \u00fcbrigens auf dem Friedhof P\u00e8re-Lachaise in Paris begraben, wie auch Edith Piaf, Jean de la Fontaine, Jim Morrison, Marcel Proust, Fr\u00e8d\u00e8ric Chopin, Oscar Wilde, Maria Callas, um ein paar&nbsp;&nbsp;Ber\u00fchmtheiten zu nennen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Lesen, Der leere Spiegel von Janwillem van de Wetering.<br>F\u00fcr den Opa gleich 3 Lieder, ich konnte mich nicht entscheiden! Alle erinnern mich an ihn, meine Kindheit und ganz ehrlich, eine Tr\u00e4ne mu\u00dfte ich beim anh\u00f6ren auch verdr\u00fccken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/IolQCHsYe2E\" target=\"_blank\">https:\/\/youtu.be\/IolQCHsYe2E<\/a>,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/ozio6yiNYrA\">https:\/\/youtu.be\/ozio6yiNYrA<\/a>,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/youtu.be\/MCIk0t6kHO4\">https:\/\/youtu.be\/MCIk0t6kHO4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><br>Ich w\u00fcnsche euch einen stimmungsvollen Sonntag&nbsp;<br>Lieben Gru\u00df vom See.<br>Gebt auf euch acht.<br>Papa\/Eckhard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, wenn man schon am Montag an den Sonntag denkt, hei\u00dft das nicht, da\u00df man sich nur auf das \u201efreie Wochenende\u201c freut. 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