{"id":51810,"date":"2020-10-25T06:00:00","date_gmt":"2020-10-25T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51810"},"modified":"2020-10-24T19:33:45","modified_gmt":"2020-10-24T17:33:45","slug":"am-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2020\/10\/25\/am-morgen\/","title":{"rendered":"Am Morgen"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>am Morgen, es ist\u00a0zwischen 9 und 10 Uhr. Ich schaue durch das gro\u00dfe Fenster, \u00fcber den Sitzplatz, durch den Garten, am gegen\u00fcberliegenden Haus vorbei, \u00fcbers Dorf, auf den See.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich bin ich schon mit dem Fr\u00fchst\u00fcck fertig, trinke nur noch eine Tasse Tee. Ostfriesen mit Kandiszucker und Milch. Teetasse, Untertasse und Teller habe ich schon aufeinandergestellt. Hellbraun schwimmt der Tee in der wei\u00dfen Tasse. Ein kleines Sch\u00e4lchen mit zerstampften Tomaten, mit Oliven\u00f6l und Salz steht noch links vor mir. Die Salami liegt eingepackt, na ich schneide mir noch ein kleines R\u00e4dchen ab. Das <em>Opinel <\/em>ist recht scharf, aufpassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Elster hat es sich auf dem abgestorbenen Nussbaum bequem gemacht und schaut durchs Fenster mir zu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ruhig, der Hund schl\u00e4ft, die gelbe Rose in der kleinen Vase vor mir, blickt mich strahlend an. Im <em>Pessoa<\/em> habe ich heute schon gelesen, \u00fcber Maximen.<br>Die S\u00e4geuhr, rechts an der Wand neben mir, tickt die Zeit tot. Manchmal wei\u00df ich nicht ob dieses Ticken mich st\u00f6rt oder ob ich es als beruhigend empfinde. Auf jeden Fall ist so ein Ticken etwas Endg\u00fcltiges. Rechts am Fenster in der gro\u00dfen Sanduhr, sieht man zwar recht anschaulich wie die Zeit verf\u00e4llt aber wenn der untere Glaszylinder voll bzw. der obere leer,\u00a0dreht man die Uhr einfach um und es beginnt wieder von vorne.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Im Leben ist das nicht so, da kommt dann eher etwas Neues, Unbekanntes, Geheimnisvolles.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sollte vielleicht die Butter, die auf ihrem irgendwo geklauten Unterteller langsam weich wird, in den K\u00fchlschrank stellen. Normalerweise sage ich Eisschrank, aber das ist ja so archaisch, deswegen hier <em>K\u00fchlschrank<\/em>. Die drei kleinen Marmeladegl\u00e4schen sind mit unterschiedlichen, ich achte immer darauf, dass es verschiedene Farben sind, Marmeladen (<em>Gsels<\/em> hei\u00dft das in meinem Dialekt) gef\u00fcllt.\u00a0<br>Meine Tabletten habe ich genommen, ja so ist das eben, irgendwann nimmt man regelm\u00e4\u00dfig Tabletten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kommt die Sonne, es ist fast halb 11 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rabe auf der Birke, etwa 50 m Luftlinie entfernt, sonnt sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Oktober das Gras ist immer noch feucht und glitzert in der Sonne, funkelt, viele kleine Edelsteine. Es ist jetzt so hell, dass einem fast die Augen weh tun, man muss blinzeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der See ist strahlt, eigentlich eher wie ein Spiegel. Er blendet uns mit seiner Sch\u00f6nheit, Angeber! Aber wie hei\u00dft das&nbsp;<em>\u201ewer ko, der ko\u201c<\/em>&nbsp;und er kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lehne mich zur\u00fcck, trinke noch einen Schluck Tee und genie\u00dfe die Zeit, die an mir einfach nur so abtropft und mich. Dieses und mich ist mir irgendwie so reingerutscht in meinen Entwurf, geh\u00f6rte eigentlich gar nicht dahin. Aber jetzt beim \u00dcberlesen dachte ich, warum nicht. Ich genie\u00dfe das alles und mich, stimmt doch.<\/p>\n\n\n\n<p>Seltsamerweise genie\u00dfe ich auch diese Stille, keine Musik, keine Nachrichten, nur die Uhr, der Hund, der ein- zweimal schwer durchatmet. \u00a0<br>Was f\u00fcr ein zufriedenes, friedliches, angenehmes Gef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen friedvollen Sonntag, vielleicht mit einem Buch? Italo Calvino, Der Baron auf den B\u00e4umen und musikalisch genie\u00dft ihr einfach <em>Adriano Celentano<\/em>. Das Original von 1966 &nbsp;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/_sYDfESbJAY\">https:\/\/youtu.be\/_sYDfESbJAY<\/a>&nbsp;und weil\u2019s so sch\u00f6n war, hier noch eine Version, live in Berlin&nbsp;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/iVa4WeZ3wJE\">https:\/\/youtu.be\/iVa4WeZ3wJE<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df (heute aus Hofheim)<\/p>\n\n\n\n<p>Gebt auf euch acht!<\/p>\n\n\n\n<p>Papa\/Eckhard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, am Morgen, es ist\u00a0zwischen 9 und 10 Uhr. Ich schaue durch das gro\u00dfe Fenster, \u00fcber den Sitzplatz, durch den Garten, am gegen\u00fcberliegenden Haus vorbei, \u00fcbers Dorf, auf den See. Eigentlich bin ich schon mit dem Fr\u00fchst\u00fcck fertig, trinke nur noch eine Tasse Tee. Ostfriesen mit Kandiszucker und Milch. Teetasse, Untertasse und Teller habe ich schon aufeinandergestellt. Hellbraun schwimmt der Tee in der wei\u00dfen Tasse. 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