{"id":51789,"date":"2020-09-20T01:48:00","date_gmt":"2020-09-19T23:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51789"},"modified":"2020-09-19T19:52:10","modified_gmt":"2020-09-19T17:52:10","slug":"dehoim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2020\/09\/20\/dehoim\/","title":{"rendered":"Dehoim"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>k\u00fcrzlich fuhr ich einkaufen in die Schweiz. Vor mir fuhr \u2013 unbemerkt \u2013 mein Schweizer Freund. Er fuhr recht langsam, vorsichtig, was normalerweise nicht seine Art ist. Sp\u00e4ter stellte ich fest, sie waren zu zweit, hatten Bierb\u00e4nke geladen. Es war jetzt nicht zu erkennen ob er wegen der Bierb\u00e4nke oder wegen seiner Lebensgef\u00e4hrtin so&nbsp;<em>schlich<\/em>!<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, das spielt jetzt keine Rolle, wir fuhren \u00fcber die Grenze, Grenzer stehen da selten, nur manchmal nach der ersten Kurve. Sie kontrollieren aber nur Schweizer, ob die unter Umst\u00e4nden nicht zu viel Fleisch eingekauft haben.<br>Konfiszieren die Z\u00f6llner das f\u00fcr ihre <em>Grenzerbetriebsgrillparty<\/em> oder zahlt man einfach etwas? Also kein Bakschisch sondern Einfuhrgeb\u00fchren, meine ich.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich so dahinzuckelte ging mir folgendes durch den Kopf: wie f\u00fchlt er sich, wenn er in die Schweiz f\u00e4hrt? Anders, zuhause, aufgehoben, sicherer? Wie f\u00fchle ich mich, wenn ich nachher wieder zur\u00fcckfahre?\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, irgendwie anders. Irgendwie doch sicherer. Nicht, dass die Schweiz ein unsicheres Land w\u00e4re, aber ich habe nicht gerne mit Beh\u00f6rdenvertretern zu tun und im Ausland w\u00e4re das noch unangenehmer.<br>Im Ausland halte ich mich an alle Gesetzte, also nicht, dass ich in Deutschland ein Gesetzloser w\u00e4re, aber hier fahre ich eher etwas zu schnell oder biege auch mal ab, wo man nicht sollte. So etwas\u00a0w\u00fcrde ich im Ausland nie tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen ganzen Gedanken komme ich dann zu der Frage, was denn dann <em>Heimat<\/em> ist? Ist das f\u00fcr meinen Schweizer Freund, hier oder dort? Ich werde ihn mal fragen.\u00a0<br>F\u00fcr mich? Wei\u00df ich nicht. Heimat hat f\u00fcr mich viel mit Sprache zu tun- Ich w\u00e4re in Norddeutschland wahrscheinlich \u00e4hnlich fremd, wie in einem anderen Land, in der ehemaligen DDR sogar noch mehr, da fehlt mir jeder Bezug.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Heimatstadt, das ist irgendwie Heimat, aber ganz so sicher bin ich mir auch nicht. Ja, ich kenne dort fast jeden Stein, die Abk\u00fcrzungen auf dem Weg ins Zentrum, die vielen Schulen, die ich besucht habe, die ein, zwei Freunde, die noch da sind.<br>Und ich liebe den Friedhof meiner Heimatstadt. Das ist ein riesiger Park mit alten Kastanienb\u00e4umen, vielen wunderbaren Grabmalen, manche fast wie Mausoleen. Ich bin dort viel zu selten. N\u00e4chstes mal wenn ich wieder mal da bin werde ich ihn besuchen.<br>Kastanien auf das Grab meines Schulfreundes legen, meine V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter\/M\u00fctter besuchen. Mich eine Weile auf eine Bank setzen, den Eichh\u00f6rnchen zuschauen und den alten Frauen zunicken, die die Gr\u00e4ber ihrer M\u00e4nner pflegen.\u00a0<br>Ein heimeliger Ort f\u00fcr mich, dieser Friedhofspark.<\/p>\n\n\n\n<p>Logischerweise fragt man sich, ob man hier begraben sein m\u00f6chte. Alle unsere Kinder und Enkelkinder sind nicht hier. Wer gie\u00dft mich dann? Das kann man \u00fcbrigens organisieren und zudem k\u00f6nnte mir das auch egal sein, da mir sowieso kein Zahn mehr weh tut, wenn ich die Radieschen von unten betrachte.<br>Ich kann mir nat\u00fcrlich auch ausmalen, dass ich dann des Nachts alte Freunde besuchen k\u00f6nnte, so w\u00e4hrend der Geisterstunde. Herumwandern, ein Schw\u00e4tzchen halten, \u00fcber vergangene Zeiten quatschen.<br>Was f\u00fcr verr\u00fcckte und zum Teil dunkle Gedanken! Und nur weil ich mich fragte, was Heimat ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich auf jeden Fall freue mich, dass ich bin wo ich bin, bin wer ich bin und von einigen erkannt werde als der, der ich bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche euch einen wunderbaren Sonntag, hier vom See.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Lesen, Sten Nadolny \u201eNetzkarte\u201c und f\u00fcr die gute Laune ein bisschen Chuck Berry&nbsp;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/6swgiM9vSEE\">https:\/\/youtu.be\/6swgiM9vSEE<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df und gebt auf einander acht.<\/p>\n\n\n\n<p>Papa\/Eckhard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, k\u00fcrzlich fuhr ich einkaufen in die Schweiz. Vor mir fuhr \u2013 unbemerkt \u2013 mein Schweizer Freund. Er fuhr recht langsam, vorsichtig, was normalerweise nicht seine Art ist. 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