{"id":51749,"date":"2020-07-12T01:07:32","date_gmt":"2020-07-11T23:07:32","guid":{"rendered":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/?p=51749"},"modified":"2020-07-12T01:08:06","modified_gmt":"2020-07-11T23:08:06","slug":"mundart-autokennzeichen-und-stehende-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonntagsgedanken.de\/blog\/2020\/07\/12\/mundart-autokennzeichen-und-stehende-zeit\/","title":{"rendered":"Mundart &#8211; Autokennzeichen und stehende Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Lieben,<\/p>\n\n\n\n<p>wir fahren auf der Autobahn, Richtung Hofheim. Vom See aus sind das fast 400 km. Als Beifahrer ist das nat\u00fcrlich angenehmer als als Fahrer(in). Man schaut sich die Landschaft an, spielt am Touchscreen des Fahrzeuges und versucht herauszufinden wie es funktioniert. \u00dcbrigens findet man nie alles heraus, da gibt es immer noch irgendwelche Geheimnisse, die ewig verborgen bleiben, ein ganzes Autoleben lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Ah! Der kommt aus B\u00f6blingen! Und der aus Sinsheim! Was ist denn MA? Klar! Mannheim! Als Kinder haben wir w\u00e4hrend langen Autofahrten immer <em>Kennzeichenraten <\/em>gespielt &#8211; oder wenn das langweilig wurde, mit unseren Eltern gesungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis heute kenne ich fast alle Kennzeichen und wenn ich eines einmal nicht kenne, dann ist das bestimmt ein <em>Ostdeutscher<\/em>. Die sind immer noch neu f\u00fcr mich, denn im fortgeschrittenen Alter habe ich nicht mehr <em>Kennzeichenraten<\/em> gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang f\u00e4llt mir auf, dass man manchmal doch stehen bleibt! Nicht auf der Autobahn, ich meine im Leben.<br>Ich versuch das mal zu erkl\u00e4ren:<br>Als ich 20 Jahre z\u00e4hlte und traf damals jemand meines heutigen Alters, dachte ich, \u201eMein Gott ist der alt!\u201c.&nbsp;&nbsp;Man hat ein <em>gez\u00e4hltes Alter<\/em> aber ich habe das Gef\u00fchl man bleibt irgendwie stehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn einer mit <em>\u201eEF&#8220;<\/em> vorbeif\u00e4hrt, dann ist der aus Erfurt, das habe ich inzwischen mitbekommen. Ich schaue ins Auto hin\u00fcber und denke: \u201ewie f\u00fchlt der sich wohl jetzt im Westen?\u201c Er ist aber etwa 30 gez\u00e4hlte Jahre alt und hat die DDR gar nicht mehr richtig erlebt.<br>Naja, irgendwie habe ich mich dummerweise noch immer nicht ganz daran gew\u00f6hnt. Es stimmt vielleicht, dass es eine ganze Generation braucht bis das alles im Lot ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eB&#8220;, der ist aus Berlin, das gab es auch vorher schon. Ich hab\u2019s nicht so mit dem Nordosten, ich bin eben aus dem tiefen S\u00fcdwesten.<br>Es gibt \u00fcbrigens doch einen Vorteil, wenn man aus Berlin ist.&nbsp;&nbsp;Als Schauspieler speziell bei Krimis oder Familienserien im TiVi ist der Berliner Dialekt ein Vorteil. Regisseure bevorzugen ihn, auch sonst ist es anscheinend einfach chic wenn man etwas \u201eberlinert\u201c.&nbsp;&nbsp;\u201eIcke&#8220; oder &#8222;wat denn&#8220; sagt. Andere Dialekte&nbsp;haben anscheinend f\u00fcr die Filmemacher nicht diesen Charme. Warum, das kann ich nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang wollte ich mal eine Beobachtung mitteilen: Schauspieler sprechen oft mit vollem Mund! Wenn ein Kind also den Berufswunsch \u201eSchauspieler\u201c \u00e4u\u00dfert, tun die Eltern gut daran ihm beizubringen mit vollem oder halbvollem Mund zu sprechen. Das entspricht zwar nicht der \u00fcblichen Etikette, ist f\u00fcr\u2018s Schauspielern aber eine <em>conditione sine qua non<\/em>. <br>Achtet mal drauf wenn ihr mal wieder fernseht. Und im \u00fcbrigen wundert es mich immer wieder, dass die Menschen in diesen Vorabendserien in Villen am See wohnen, die ich mir nicht leisten k\u00f6nnte. So ist das eben im Film, Traumfabrik!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ah, <em>PF<\/em>! Und noch ein <em>PF<\/em>! Die fahren wohl gemeinsam irgendwo hin. Ich schau r\u00fcber. Kenn\u2018 ich die? N\u00f6, kenn\u2018 ich nicht. Naja, meine Heimatstadt hat ja inzwischen auch \u00fcber 120.000 Einwohner. Alle kann ich ja nicht kennen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fahren im Auto mit einer <em>HG<\/em> Nummer (das ist in Hessen) durch Baden-W\u00fcrttemberg und wenn ich zu den anderen Autofahrern hin\u00fcberschaue, dann m\u00f6chte ich am liebsten rufen: \u201eIch bin auch von hier! Das mit der HG Nummer ist nur ein Schein, mein Sein ist hier, \u201aI bin von do\u2018!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So ist das eben mit den Kennzeichen, der Heimat und dem Dialekt. Von dem Andreas Egert \u00fcbrigens sagt: \u201e Dialekt: tapferer Gegner der totalen Gleichschaltung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zum H\u00f6ren:<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/vj_fjmqWyOE\" target=\"_blank\"> Na, Richard Starkey  &#8211; er wurde k\u00fcrzlich 80 (gez\u00e4hlte) Jahre alt &#8211; Photography!<\/a><br>Zum Lesen,\u2026\u00a0\u00a0ich bin immer noch bei meinem Tolstoj von der letzten Woche, probiert es mal, lohnt sich wirklich!<\/p>\n\n\n\n<p>Lasst es euch gut gehen und gebt auf euch acht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieben Gru\u00df aus Hofheim<\/p>\n\n\n\n<p>Papa\/Eckhard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Lieben, wir fahren auf der Autobahn, Richtung Hofheim. Vom See aus sind das fast 400 km. Als Beifahrer ist das nat\u00fcrlich angenehmer als als Fahrer(in). 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