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Glück

Meine Lieben,

eigentlich hatte ich schon beschlossen, daß ich eine Auszeit brauche. Seit Anfang 2019 schreibe ich fast regelmäßig jede Woche meine Sonntagsgedanken für mich und euch, und ich habe das Gefühl, daß ich fast schon alles erzählt, alles gesagt habe, was mir wichtig im Leben ist, meine Gedanken und teilweise auch mein Leben vor euch ausgebreitet habe.

Die Welt ist so durcheinander, die Enttäuschung und die Wut über das, was vor sich geht, manchmal so groß, daß es schwer fällt, das Tagesgeschehen außen vor zu lassen. Ich habe in den Sonntagsgedanken immer versucht, dieses ganze Ungeheuerliche vergessen zu machen, wollte mich und alle darauf hinweisen, daß es wichtig ist, großzügig und mit Respekt miteinander umzugehen und uns unserer Einmaligkeit und der Endlichkeit des Lebens bewußt zu werden.

Ich weiß nicht, ob mir das immer geglückt ist. Ich habe die Kommentarmöglichkeit wieder geöffnet und ihr könnt mir Rückmeldung geben, wenn ihr Lust habt.

Aber das war vor ein paar Tagen, bis ich ein Foto sah, das mir meine Frau schickte. Für eine gemeinnützige, medizinische Organisation, die sich um die Behandlung von Kindern mit angeborener Fehlbildung der Füße kümmert, ist sie zur Zeit in Äthiopien.

Da steht sie, in einem Krankenhaus in Addis Abeba, umarmt eine junge Mutter mit einem kleinen Baby auf dem Arm. Das Baby hat beide Beinchen in Gips, das erste Mal. Seine Mutter wird es ab jetzt jede zweite Woche erneut zur Behandlung bringen, wahrscheinlich von einem weit entfernten Dorf, aber eines Tages wird der Junge auf geraden Füßen laufen können.

Wenn man Glück sehen will, dann mußte man nur das Gesicht der Mutter sehen und das meiner Frau. Und das Glück dieser beiden hat auch mich unglaublich glücklich gemacht.

Es hat übrigens nichts damit zu tun, ob man etwas Großes, etwas Kleines, etwas Wichtiges oder Unwichtiges betrachtet, Glück ist nicht meßbar.


Der Onno war etwa 5 Jahre alt, ich bin mit ihm nach Konstanz gefahren, um ihn mit einem Kinobesuch zu überraschen, hat geklappt.

Er war dann so aufgeregt, daß wir fast eine Stunde vor Beginn der Vorführung im Saal waren, die Bühne war leer, er rannte nach vorne, erklomm die „Bretter, die die Welt bedeuten“ und rief mir zu, daß dies die beste Überraschung der Welt sei und ich der allerbeste Opa, das weiß ich jetzt natürlich nicht, für ihn war ich das wohl in diesem Moment.

Für uns beide war das ein einmaliger, riesiger Glücksmoment und ich habe mal wieder für mich festgestellt, es macht dich wahrscheinlich nichts glücklicher, als andere glücklich zu machen.

Das ist wie mit der Liebe, die nie aufhört, egal ob man immer zusammen ist oder nicht, das Glück und die Liebe bleiben, und es stimmt, daß man immer das zurückbekommt, was man gibt.

Ich wünsche euch frohe Ostern, und wenn ich irgendwann mal eine Pause mache, dann wißt ihr, daß ich wahrscheinlich vor lauter Glück gerade mal nicht schreiben kann.

Alles Liebe vom See,
paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen

Euer Eckhard/Papa/Opa

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