Meine Lieben,
„Gut Ding will Weile haben“, heißt ein deutsches Sprichwort. Die Redewendung ist übrigens seit dem 17. Jahrhundert belegt, Grimmelshausen verwendete sie in seinem Werk „Simplicissimus Teusch“ 1669, um zu betonen, daß gute Dinge nicht ohne Mühe zu erwerben sind, man also Zeit und Geduld braucht. Man könnte auch sagen: „Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.“
Warum ich jetzt darauf komme? Also, ich mußte erst 75 Jahre alt werden, um von einer handgetriebenen Zahnbürste auf eine elektrische Zahnbürste umzusteigen. Ich könnte jetzt natürlich behaupten, ich hätte das aus Umweltbewusstsein gemacht, um nicht unnötig Strom zu verschwenden, das stimmt natürlich nicht. Ich habe einfach nicht daran gedacht und außerdem fand ich dieses Geräusch im Mund störend und auch das unangenehme Brummen, wenn man aus Versehen mit dem festen Teil an einen Zahn kommt.
Also, warum jetzt doch?
Na, weil mein Zahnarzt, der übrigens mit meinem Mundesinneren sehr zufrieden war, es mir empfohlen hat.
Ich bin also in ein einschlägiges Geschäft, habe die Verkäuferin alarmiert und mich ausführlich beraten lassen. Habe mich dann letztendlich auch für eine entschieden. Sie war recht teuer, aber ein Sonderangebot, deswegen war’s dann doch relativ günstig. Nicht günstig wie die günstigen, aber günstiger als die anderen teuren, die nicht im Sonderangebot waren.
Ich bin nach Hause und habe festgestellt, daß das Gerät meiner besseren Hälfte einen runden Borstenkopf hat und meine einen länglichen, sieht also, finde ich, eher aus wie eine Zahnbürste, die man sonst mit der Hand betrieben hat.
Zudem muß ich sagen, daß meine im Gegensatz zu der bereits im Haushalt befindlichen nicht so einen Höllenlärm macht. Das ist ein Lada und meine eher ein Mercedes!
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Kürzlich habe ich ein Buch aufgeschlagen, das ich von einem lieben Freund, ich glaube zum 50. Geburtstag bekommen habe. Mit ihm habe ich schon lange keinen Kontakt mehr, wenn ich auch oft an ihn denke, ich glaube auch, daß er seit vielen Jahren sehr krank ist.
Das Buch war verschollen in einem früheren Leben, jetzt ist es bei mir aufgetaucht. Wie eine Flaschenpost angeschwemmt nach vielen Jahren. Gerade noch rechtzeitig, „Das Buch der Werte“.
Und jetzt habe ich auch die Muße, die Geduld und das Verständnis, was mir vor 25 Jahren wahrscheinlich noch abging. Ich blättere begeistert durch die Seiten, bleibe hier und dort hängen, lese, denke nach, gehe in mich.
Ich glaube, es stimmt auch hier, daß „Gut Ding Weile haben“ will. Und auch das mit der Weisheit kommt mir mal wieder in den Sinn, aber darüber ein anderes Mal.
Natürlich frage ich mich ab und an: Bin ich das, will ich das, wo stehe ich, warum bin ich, was soll ich noch tun, für mich, für dich, für die Meinen, für alle?
Manchmal habe ich Angst, daß die Zeit zu kurz wird und ich immer noch nicht die wesentlichen Fragen für mich beantwortet habe.
Ich probier’s eben, immer wieder, immer wieder und wieder.
Auch wenn die Welt immer verrückter wird, viele uns bestimmen, wir die Welt einfach nicht verstehen, sie wahrscheinlich sich selbst auch nicht, und so fragen wir uns manchmal, was das eigentlich alles soll.
Tatsache ist, daß ich in 15 Jahren, für die Zeit ist das ein Wimpernschlag, 90 Jahre alt werde (hoffe ich) und daß meine elektrische Zahnbürste leiser ist, (weiß ich), eben ein Mercedes!
Ich wünsche euch einen unerschütterlichen Sonntag.
Paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.
Lieben Gruß aus Balderschwang
Euer Eckhard/Papa/Opa


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