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Sechzehn

Meine Lieben,

unser ältester Enkel wurde in der vergangenen Woche 16 Jahre alt. Ich erinnere mich gerne daran, als ich diese Altersschwelle überschritt. Was für eine Zeit!!! Ein „Halbstarker“ hieß das damals!

Partys im Wartezimmer der Praxis meines Vaters, nichts war wirklich wichtig außer Mädels, Freunde und Musik. Schule, ja Schule gab es auch, aber eher nebenher, hat sich logischerweise irgendwann gerächt.

Wenn ich heute meinen Enkeln entsprechende Ratschläge gebe, ernte ich ein mildes Lächeln und werde mit dem Argument konfrontiert, daß aus mir ja auch was geworden wäre.
„Also Opa, du verstehst das nicht, heute ist das anders!“

Stimmt!
Heute ist immer anders.
War bei mir aber auch schon so, damals war heute auch anders.

So ein Blick zurück bringt ja nichts, oder?

Vielleicht ist es doch denkbar, daß man einiges aus der Geschichte für kommende Zeiten lernen kann, auch wenn Herr Hegel in einer Vorlesung über die Philosophie der Geschichte 1832/1845 meinte: „Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt haben.“

Was soll ich Älterer nun heute einem 16-jährigen jungen Mann raten, vorausgesetzt er sucht meinen Rat?

Vielleicht, daß man am besten weiterhin bescheiden und freundlich ist, auf’s Bauchgefühl vertraut, Rat sucht, ihn nach Abwägung auch befolgt, nie aufhört kritisch zu denken, zuuu einfachen Lösungen nicht leichtfertig vertraut.
Fleißig, geduldig, ausdauernd, immer offen für Neues zu sein. Bücher lesen, Sprachen lernen, nicht, weil man das unbedingt braucht, aber dadurch taucht man in andere Kulturen ein und hat automatisch mehr Verständnis für Andersartiges.
Sich bewußt werden, daß das Leben eines jeden Menschen einmalig ist und wertvoll!

Die Familie immer noch ein Hort der bedingungslosen Liebe und Unterstützung.

Ist das altmodisch?

Zum 40. bekam ich einen Fahnenmast mit Pforzheimer Flagge, zum 50. ein riesiges Fest, im Bürgerhaus (man redet sich ja immer ein, das wäre so etwa die Hälfte), zum 60. einen Überraschungs-Skiurlaub mit der gesamten Familie, zum Eintritt ins 70. eine unglaubliche Party mit Musik, Tanz und vielen Freunden.

All dies war gerade erst gestern!!!

Beim Kindergeburtstag, das ist schon ein bisschen länger her, fand ich Topfschlagen super, mit verbundenen Augen den Topf im Zimmer finden, unter dem eine Überraschung liegt.

Noch besser war das Würfelspiel um eine Tafel Schokolade.
Ihr kennt das bestimmt.
Es wurde gewürfelt, bei einer 6 zog man eine Skimütze auf, Handschuhe an, einen Schal, nahm Messer und Gabel und versuchte, damit die Tafel Schokolade zu öffnen, die eingepackt, meist auch noch kompliziert verschnürt war.
Man hatte nur solange Zeit, bis der Nächste in der Runde eine 6 würfelte, der riß einem dann die Skimütze vom Kopf und wollte so schnell wie möglich die Handschuhe und das Besteck, alles fand unter einem irrsinnigen Zeitdruck und bei lautem Geschrei statt, ob je einer die Tafel aufbekommen hat, daran kann ich mich jetzt nicht erinnern, aber die Spannung und Freude waren nicht zu überbieten.

Ist irgendwie wie im Leben, man braucht Glück, Schnelligkeit, Ausdauer und den Willen, etwas zu erreichen.

Geburtstage werden mit der Zeit etwas weniger aufregend, man hat sich an den Lauf der Jahre gewöhnt, nimmt es hin, denkt zunehmend über das Leben und den Sinn desselben nach.

Aber der 16. Geburtstag, der 16. der war und ist schon was Besonderes!!!

Ich wünsche euch einen spannenden Sonntag.
Paßt auf euch und die anderen auf,
streitet nicht und haltet zusammen

Lieben Gruß aus Hofheim

Euer Eckhard/ Papa / Opa

P. S. Lesetip: Demian von Hermann Hesse, hier ist auch das Vorwort einmalig! Musik gibt’s natürlich auch:

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