Meine Lieben,
ich fuhr los in Hofheim, machte mich auf den Weg zum See, mit Zwischenstopp in meiner Heimatstadt, Klassentreffen!
Bei diesen Klassentreffen sind inzwischen immer weniger dabei.
Nein, sooo alt sind wir noch nicht, daß schon viele gestorben wären. Ja, einige, aber die meisten sind noch lebendig, wenn auch anscheinend nicht mehr ganz so lebendig wie früher. Hier die Hüfte, dort das Knie, Rücken sowieso, ein Zipperlein jagt das andere. Die Mutti hätte gesagt (in Dialekt): „Sieht net gut und hört net gut un kann net dapfer laafe.“
Naja, vielleicht hat der eine oder die andere eben auch nur keine Lust, in alte Zeiten einzutauchen, und versucht, die Anstrengung zu vermeiden, krampfhaft zu überlegen, wer denn jetzt diese füllige ältere Dame ist oder der dürre kahlköpfige Herr. Den Du-hast-dich-kaum-verändert-Spruch kann man sich in der Regel schenken.
Obwohl natürlich jeder von sich denkt, er hätte sich nicht verändert. Liegt eben daran, daß man, außer in einem Spiegel, sich selbst nicht sieht und innen drin, also innerlich, sind wir ja immer noch die alten. Der Andreas, die Bärbel, der Eckhard, die Ingrid, die Gabi und der Roland …
Aber, ich muß sagen, war trotzdem auch mit den wenigen ganz nett und angenehm, ich habe es auf jeden Fall genossen.
Das war jetzt ein Exkurs, darüber wollte ich mich eigentlich gar nicht auslassen, ist eben so passiert.
Angefangen habe ich mit der Autofahrt.
Das beginnt logischerweise mit dem Einsteigen.
In früheren Zeiten stieg ich ins Auto, entzündete eine Zigarette, machte das Radio an, startete den Motor und fuhr los, nach ein paar Metern schnallte ich mich, nein, stimmt nicht, natürlich schnallte ich mich nicht an, das gab es damals noch nicht.
Heute funktioniert das ein wenig anders, also einsteigen natürlich immer noch, Zigarette ist nicht mehr, Motor starten, Radio und dann, wenn das Piepen zu heftig wird, anschnallen. Blöde Angewohnheit sich erst während des Fahrens anzuschnallen, kommt wahrscheinlich aus der Zeit, als das mit diesen Gurten noch keine Pflicht war.
Beim Ski- oder Fahrradfahren, wer dachte da an einen Helm? Ja, auf dem Moped, später Motorrad, da habe ich einen getragen, war übrigens auch ab 1976 vorgeschrieben.
Radio an, sie spielen „A hard days night“. Ich fühle mich hervorragend!
Die Sonne scheint, der Motor brummt gleichmäßig, die Sitzheizung wärmt mich, übrigens auch am Rücken.
Das wird ein super Tag!
Klar, wenn man das Radio anmacht und das erste, was man am beginnenden Tag hört, ist die Beatles, was kann da noch schief gehen?
Nichts!
So empfinde ich das seit 60 Jahren, wenn das erste Lied, ein Beatles-Song (im Original) ist, dann ist das – bin ein bißchen abergläubisch – ein sehr gutes Zeichen.
Gilt aber nur, wenn das nicht von mir ausgewählt wurde, sondern zufällig irgendwo gespielt wird.
So war das heute, na also super!
Irgendwie passte sogar der Song. Bezog sich wahrscheinlich auf den Vorabend, auf ein Erfolgserlebnis!
Ab und zu braucht man das.
Was?
Na, Erfolgserlebnisse.
In jungen Jahren hat man etliche Erfolgserlebnisse, aber oft auch etwas mehr Frustrationen zu verdauen, in der Mitte des Lebens sollten die Erfolgserlebnisse die Frustrationen überwiegen, und im Alter hat man, falls man hoffentlich in der Zwischenzeit etwas dazugelernt hat, so gut wie keine Frustrationen mehr, aber natürlich auch etwas weniger Erfolgserlebnisse.
Ist dann eines da, wirkt das natürlich umso großartiger, ist andauernder und man kann eine ganze Weile davon zehren. In diesem Zustand, also im fortgeschrittenen Alter, meine ich, stellt man auch fest, daß Lebenserfahrung doch irgendwie zählt, ein Vorteil ist und man vieles mit eben dieser Erfahrung und professioneller Routine erledigen kann.
Der größte Vorteil im Alter dürfte sowieso sein, daß man einfach man selbst sein kann, keine Rolle mehr spielen muss. Überhaupt macht man es sich generell im Leben leichter, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wenn man authentisch ist, mit all seinen ureigensten Vor- und auch Nachteilen.
Heute etwas fürs Gefühl https://youtu.be/yW1JloA7QOg und für den Geist „Narrenweisheit“ von Lion Feuchtwanger.
Ich wünsche euch euren authentischen Sonntag.
Paßt auf euch auf, streitet nicht und haltet zusammen.
Lieben Gruß vom See
Euer Eckhard/Papa/Opa
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