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Bei den Bäumen

Meine Lieben,

dieser Tage fuhr ich mit einen Freund, der seine Mutter im Altersheim besuchte, nach Salmbach. Das liegt in der Nähe meiner Heimatstadt.
Ich sollte ihn nach 1 1/2 Stunden wieder abholen, also konnte ich gut meinen (fast) täglichen 1 stündigen Spaziergang machen.
Ich fuhr weiter nach Langenbrand, das liegt schon recht auf der Höhe 700m, Luftkurort steht da. Dort bin ich dann einfach losmarschiert, erst durchs Dorf und dann in den Wald eine, anscheinend, stillgelegte Teerstraße entlang.

2 Fahrradfahrer, eine ältere Dame mit Stöcken und ein Ehepaar mit Hund war alles was mir in dieser Zeit begegnete. Ich habe nur meine Schritte gehört, den Wind und manchmal ein Knacken im Wald. Ein bißchen auch das scheuern meiner Ärmel am Anorak, ich hab’ dann einfach die Arme abgespreizt, wie zum abheben, zum fliegen, weil ich das Scheuern nicht hören wollte. 

Wenn man so alleine durch den Wald geht kommen einem die merkwürdigsten Gedanken, ich weiß nicht einmal ob sie abwegig sind. Ich dachte was empfinden  wohl die Bäume wenn sie mich hier entlanglaufen sehen. Vielleicht fragen sie sich oder den Nachbarbaum warum ich erst in die eine Richtung und nach einer Weile wieder zurück in die andere Richtung gehe. Erstens kannte ich keinen Rundweg und zweitens ist es sowieso egal, Hauptsache man geht und übrigens sieht man ja auch dann alles noch einmal von einer anderen Perspektive  und das ist ja nicht schlecht.Ich kann mir schon vorstellen, daß dieses Gehen ungewöhnlich für die Bäume ist, stehen sie doch ihr ganzes Leben an einem Fleck.

Nun ja, der eine Baum wußte keine Antwort und auch den anderen, die in der Nähe standen, war es grundsätzlich gleich, sie hielten diese Lauferei sowieso für überflüssig. Hauptsache  man steht, fest verwurzelt hat nette Nachbarn, kann sich mit denen unterhalten und in Ruhe beobachten was sich da so auf dem Boden abspielt, sich ab und zu mal strecken um in die Ferne zu blicken und festzustellen, daß es da auch nicht viel anders ist.
Bäume im Schwarzwald so weit man schauen kann.

Ich habe übrigens schon immer geglaubt, daß Pflanzen sprechen können, sich ihre Gedanken machen und sich gegenseitig Ratschläge erteilen.

Um bei den Bäumen zu bleiben – man sagt ja auch Holz lebt. Und so glaubte ich als Kind, daß selbstverständlich, der Schrank im Zimmer oder der Tisch eine Seele haben. Sie Nase von Pinocchio – ich hatte ein Buch von meiner Tante Elsa , „Das hölzerne Bengele“ – hat sich ja auch immer verändert, also gelebt. Freunde von mir sind Gärtner – und ich denke das sind sie aus Berufung – würden bestimmt bestätigen, daß alles, alles lebt. 

Und doch ist da diese Stille im Wald, ich habe jetzt angefangen auch manchmal zuhause nicht sofort den Radio am Morgen einzuschalten, sondern einfach auf die normalen Geräusche zu achten. Der Wasserkessel der kocht, das Geräusch des Löffels wenn ich meinen Tee umrühre, das Ticken der Standuhr, das Zwitschern  der Vögel beim morgendlichen Frühstück.

„Es gibt nirgends eine ruhigere und ungestörtere Stätte, zu der der Mensch flüchten könnte, als die eigene Seele. Gönne dir ständig also diese innere Einkehr und erneuere dich selbst“, sagte schon Marc Aurel.

Ich habe kürzlich  „Into The Mystic“ von Van Morrison, aber in der Version von Joe Cocker (Live in Baden), gehört und dann den Song in mir nachklingen lassen. Es war wunderbar!


Ich wünsche euch einen ruhigen, entspannten Sonntag vom See.
Lieben Gruß Papa/Eckhard

ps.: die performance von Joe Cocker findet ihr auf youtube

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